Der British Antarctic Survey (BAS) hat einen wichtigen Meilenstein bei der Modernisierung der Rothera-Forschungsstation auf der Antarktischen Halbinsel erreicht. Mit der vollständigen Inbetriebnahme des neuen Discovery Building wurde eine zentrale Bauphase des Antarktis-Infrastrukturmodernisierungsprogramms (AIMP) erfolgreich abgeschlossen.
Das Discovery Building vereint erstmals zentrale Betriebs-, Energie- und Medizineinrichtungen unter einem Dach. Dadurch werden die Abläufe auf der größten britischen Forschungsstation in der Antarktis effizienter, nachhaltiger und zukunftssicher gestaltet. Gleichzeitig bildet die neue Infrastruktur die Grundlage für die Fortsetzung international bedeutender Forschungsprojekte in den Polarregionen.
Besonders bemerkenswert ist die Nachhaltigkeitsleistung des Gebäudes. Als erstes Bauwerk in der Antarktis erhielt das Discovery Building die BREEAM-Zertifizierung „Outstanding“. Diese höchste Auszeichnung wird weltweit nur an einen sehr kleinen Teil aller Bauprojekte vergeben und setzt neue Maßstäbe für nachhaltiges Bauen unter extremen klimatischen Bedingungen.
Während der Bauarbeiten wurde die wissenschaftliche Forschung in Rothera uneingeschränkt fortgeführt. Langfristige Umweltbeobachtungen und Meeresforschungsprogramme liefern wichtige Daten über die Auswirkungen des Klimawandels im Südlichen Ozean. Dazu gehören das Projekt POLOMINTS, das die Auswirkungen von durch Gletscherabbrüche ausgelösten Unterwasser-Tsunamis auf die Ozeandurchmischung untersucht, sowie die Langzeitstudie Rothera Time Series (RaTS), eines der bedeutendsten Überwachungsprogramme der Region.
Ein weiterer Schwerpunkt der Modernisierung lag auf der technischen Optimierung der Station. Neue Systeme zur Wärmerückgewinnung aus dem Blockheizkraftwerk verbessern die Energieeffizienz und reduzieren den Brennstoffverbrauch. Zudem ermöglicht ein modernes Gebäudeleitsystem die zentrale Überwachung und Steuerung aller wichtigen technischen Anlagen. Ergänzende Maßnahmen zur Wetterfestigkeit und zur Verstärkung der Infrastruktur erhöhen die Widerstandsfähigkeit der Station gegenüber den extremen Bedingungen der Antarktis.
Mit dem Ende der Bausaison wurden umfangreiche Demobilisierungsarbeiten durchgeführt. Temporäre Einrichtungen und Baustelleninfrastruktur wurden zurückgebaut, Materialien für den Rücktransport vorbereitet und ehemalige Arbeitsflächen rekultiviert. Damit ist die Station für den Winterbetrieb gerüstet.
Die Fertigstellung des Discovery Building stellt einen bedeutenden Schritt für die britische Polarforschung dar. Die modernisierte Infrastruktur wird den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des BAS auch künftig ermöglichen, wichtige Erkenntnisse über Klima, Ozeane und Ökosysteme in einer der sensibelsten Regionen der Erde zu gewinnen.
Heiner Kubny, PolarJournal