H5-Vogelgrippe dezimiert Wildtiere auf Heard Island

von Heiner Kubny
07/07/2026

Forschungsergebnisse dokumentieren eine sehr hohe Sterblichkeit bei südlichen Seeelefanten und verdeutlichen die Herausforderungen für den Bestandserhalt. (Foto: Julie McInnes)

Wissenschaftler des Australian Antarctic Program haben neue Ergebnisse zur Ausbreitung der hochpathogenen H5N1-Vogelgrippe auf den abgelegenen Heard- und McDonald-Inseln veröffentlicht. Die Inselgruppe liegt rund 4.000 Kilometer südwestlich des australischen Festlands und stellt den ersten bestätigten Nachweis des Virus in einem australischen Außengebiet dar.

Studien belegen, dass neben anderen Arten auch Königspinguine eine erhöhte Sterblichkeit aufweisen. (Foto: Gemma Woldendorp)

Während zweier Expeditionen im Oktober 2025 und Januar 2026 untersuchten die Forscher die Auswirkungen der Krankheit auf die dortigen Tierbestände. Proben von neun Wirbeltierarten wurden analysiert, wobei sechs Arten positiv auf den weltweit verbreiteten H5N1-Stamm getestet wurden. Dazu gehörten südliche Elefantenrobben, Königspinguine, Eselspinguine und antarktische Pelzrobben.

Besonders schwer betroffen waren die Jungtiere der südlichen Seeelefanten. Die Auswertung von Drohnenaufnahmen ergab eine durchschnittliche Sterblichkeitsrate von 76 Prozent, in einzelnen Kolonien sogar bis zu 97 Prozent. Von den geschätzten 17.000 geborenen Jungtieren starben etwa 13.000. Auch bei Königspinguinen wurde eine erhöhte Sterblichkeit festgestellt; mehrere hundert tote erwachsene Tiere wurden auf der Insel registriert.

Ein Wildtierteam untersucht die Fundstelle einer Massensterblichkeit bei südlichen Seelefanten, um Ursachen und Ausmaß des Ereignisses zu erfassen. (Foto: Julie McInnes)

Insgesamt führten die Wissenschaftler 120 Drohnenflüge über mehr als 1.600 Kilometer sowie zahlreiche Bodenuntersuchungen durch. Die Drohnentechnologie ermöglichte es, auch schwer zugängliche Küstenabschnitte und Brutkolonien zu überwachen, ohne die Tiere zusätzlich zu stören.

Genetische Analysen deuten darauf hin, dass das Virus wahrscheinlich durch wandernde Wildtiere von den etwa 1.800 Kilometer entfernten französischen Crozet-Inseln eingeschleppt wurde und Heard Island vermutlich im August 2025 erreichte.

Die Wissenschaftsteams unterhielten mehrere Feldlager auf Heard Island und meisterten bei ihrer Arbeit häufig frostige und herausfordernde Umweltbedingungen. (Foto: Rowena Hanneford)

Die Ergebnisse verdeutlichen die weitere Ausbreitung der H5N1-Vogelgrippe in der subantarktischen Region und zeigen, dass insbesondere die Bestände der südlichen Elefantenrobben stark gefährdet sind. Diese Ergebnisse der genetischen Tests wurden einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift zur Prüfung einer Veröffentlichung vorgelegt, wurden jedoch noch nicht von Fachkollegen begutachtet. Ein Preprint ist bei BioRxiv verfügbar.

Heiner Kubny, PolarJournal