Die Vertragsstaaten des Antarktisvertrags haben im Mai bei ihrem Treffen in Japan einstimmig die ukrainische Initiative zur Einrichtung eines neuen Schutzgebiets in der Antarktis unterstützt. Das Gebiet „Collins Bay“ liegt auf der Antarktischen Halbinsel in der Nähe der ukrainischen Forschungsstation „Akademik Wernadsky“ und soll dazu beitragen, die einzigartige Natur dieser Region langfristig zu bewahren.
Die Entscheidung ist das Ergebnis von sieben Jahren wissenschaftlicher Arbeit und internationaler Zusammenarbeit. Hintergrund ist der zunehmende Druck auf die empfindlichen Ökosysteme der Antarktis. Jährlich besuchen inzwischen mehr als 100.000 Touristen die Region, wobei sich die meisten Reisen auf die Antarktische Halbinsel konzentrieren. Mit dem wachsenden Tourismus und der Schifffahrt steigen auch die Risiken für die Tier- und Pflanzenwelt.
Das neue Schutzgebiet umfasst 1,65 Quadratkilometer und gehört zu den wenigen zusammenhängenden Schutzgebieten der Antarktis. Es vereint mehrere Inseln und Küstenabschnitte und schützt damit unterschiedliche Lebensräume. Besonders wertvoll sind die dort vorkommenden antarktischen Blütenpflanzen, seltene Moose und Flechten sowie wichtige Brutplätze von Adeliepinguinen. Auch Nester von Schneesturmvögeln, die in der Region nur hier bekannt sind, befinden sich in Collins Bay.
Neben dem Naturschutz spielt das Gebiet auch für die Forschung eine wichtige Rolle. Wissenschaftler nutzen es als Referenzgebiet, um die Auswirkungen des Klimawandels auf Flora und Fauna über lange Zeiträume zu beobachten. Die gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, die Veränderungen der antarktischen Ökosysteme besser zu verstehen.
Mit der Einrichtung von Collins Bay als Schutzgebiet leistet die Ukraine einen wichtigen Beitrag zum Erhalt eines der empfindlichsten Naturräume der Erde und stärkt zugleich die internationale Zusammenarbeit in der Antarktisforschung.
Rosamaria Kubny, PolarJournal