Mit dem Bau des neuen nuklearbetriebenen Eisbrechers «Rossiya» setzt Russland seine ehrgeizige Arktisstrategie fort. Das Schiff des Projekts 10510 «Lider» soll nach seiner Fertigstellung Ende 2029 der leistungsstärkste Eisbrecher der Welt werden und eine Schlüsselrolle bei der Erschließung der Nordostpassage spielen.
Die «Rossiya» wird auf der Swesda-Werft in der Region Primorje gebaut. Das Schiff misst fast 210 Meter in der Länge und 47,7 Meter in der Breite. Mit einer Wellenleistung von 120 Megawatt (163’154 PS) übertrifft es die heutigen russischen Eisbrecher deutlich. Angetrieben wird die «Rossiya» von zwei modernen RITM-400-Kernreaktoren mit einer thermischen Leistung von jeweils 315 Megawatt. Dadurch wird das Schiff in der Lage sein, Eis von mehr als vier Metern Dicke zu durchbrechen und selbst unter extremen arktischen Bedingungen zuverlässig zu operieren.
Die wichtigste Aufgabe des Eisbrechers wird die Sicherung der Nordostpassage entlang der russischen Arktisküste sein. Diese rund 4.600 Kilometer lange Route verbindet Europa mit den Ländern des asiatisch-pazifischen Raums und gilt als deutlich kürzer als traditionelle Schifffahrtswege über den Suezkanal. Da die Strecke jedoch den größten Teil des Jahres von Eis bedeckt ist, sind Handelsschiffe häufig auf die Unterstützung von Eisbrechern angewiesen. Die «Rossiya» soll dort ganzjährig sichere Passagen ermöglichen und größere Frachtschiffe durch schwierige Eisgebiete führen.
Russland setzt dabei bewusst auf nuklearbetriebene Eisbrecher. Sie verfügen über eine wesentlich höhere Leistung als dieselelektrische Schiffe, können über viele Jahre ohne Brennstoffwechsel eingesetzt werden und sind für lange Einsätze in abgelegenen Polarregionen besonders geeignet. Zum Vergleich: Die modernen Eisbrecher des Projekts 22220 leisten 60 Megawatt (81’600 PS), während der stärkste russische dieselelektrische Eisbrecher «Viktor Tschernomyrdin» lediglich 25 Megawatt (34’000 PS) erreicht.
Mit dem Bau der «Rossiya» verfolgt Russland nicht nur wirtschaftliche Ziele. Die Entwicklung der Nordostpassage soll den internationalen Handel fördern und die Transportzeiten zwischen Europa und Asien verkürzen.
Heiner Kubny, PolarJournal