Warum Krill die Barten der Finnwale nicht verstopft

von Heiner Kubny
09/02/2026

Beim Filtrieren seiner Nahrung drückt der Finnwal das aufgenommene Meerwasser durch die Barten. Neue Forschungen zeigen, wie die elastischen Barten Verstopfungen durch Krill verhindern.

Mit jedem Maulzug nehmen Finnwale riesige Mengen Krill und Meerwasser auf. Neue Forschung zeigt, dass ihre Barten dabei eigentlich verstopfen müssten und wirft die Frage auf, welchen bislang unbekannten Trick die Giganten der Meere nutzen, um dennoch in Sekundenschnelle weiterzufressen.

Finnwale (Balaenoptera physalus) gehören mit einer Länge von bis zu 27 Metern zu den größten Tieren der Erde. Bei der Jagd auf Krillschwärme verschlingen sie mit einem einzigen Maulzug bis zu 150 Kilogramm der kleinen Krebstiere – zusammen mit rund 60 Kubikmetern Meerwasser. Wie sie diese Wassermassen in nur etwa einer halben Minute wieder aus dem Maul pressen können, ohne dass der Krill ihre Barten verstopft, war bislang ein Rätsel.

Ein Finnwal an der Meeresoberfläche nach einem Tauchgang. Mit jedem Beutefang nimmt das zweitgrößte Tier der Erde riesige Mengen Krill und Meerwasser auf, die anschließend durch seine Barten gefiltert werden.

Dieser Frage ist ein Forschungsteam um Ingrid Ackermann von der Stanford University nachgegangen. Die Ergebnisse wurden im Journal of Experimental Biology veröffentlicht und zeigen, dass die bekannte Funktionsweise der Barten allein den raschen Wasserabfluss nicht erklären kann.

Beim sogenannten Lungenfressen öffnet der Finnwal sein Maul weit und nimmt einen riesigen Wasserschwall auf. Dabei dehnt sich der Kehlsack eines rund 20 Meter langen Tieres von etwa 30 auf nahezu 80 Quadratmeter aus. Nach dem Schließen des Mauls pressen kräftige Muskeln das Wasser durch die Barten nach außen, während der Krill im Maul zurückbleibt. Den Berechnungen zufolge erzeugt der Wal dabei einen Druck von 4,1 bis knapp 18 Kilopascal – ausreichend, um das Wasser innerhalb von rund 31 Sekunden auszustoßen.

Mit weit geöffnetem Maul nimmt der Finnwal gleichzeitig Krill und riesige Wassermengen auf. Ein ausgeklügeltes Bartensystem sorgt dafür, dass das Wasser rasch entweichen kann, ohne den natürlichen Filter zu verstopfen.

Theoretisch müsste der Krill diesen Vorgang jedoch massiv behindern. Wäre die Beute gleichmäßig an den Barten verteilt, würde sie eine mehr als sechs Zentimeter dicke Schicht bilden und den Wasserstrom nahezu blockieren.

Um diese Annahme zu überprüfen, simulierten die Forschenden den Vorgang im Labor mit gefrorenem Krill und einem Filtersystem. Die Ergebnisse waren eindeutig: Bereits eine knapp zwei Zentimeter dicke Krillschicht verringerte die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers von den benötigten 0,67 Metern pro Sekunde auf lediglich 0,04 Meter pro Sekunde. Bei einer fast sechs Zentimeter dicken Schicht sank sie sogar auf nur noch 0,02 Meter pro Sekunde.

Die Messungen zeigen, dass die Barten während des Fressvorgangs nicht einfach mit Krill bedeckt sein können. Stattdessen muss es bislang unbekannte Strömungsmechanismen oder Bewegungen im Maul geben, die verhindern, dass die Nahrung die Barten verstopft. Erst dadurch wird das schnelle Entleeren des Mauls möglich.

Die Studie verdeutlicht, dass selbst bei einem der größten Tiere unseres Planeten grundlegende Fragen der Biomechanik noch ungeklärt sind. Wie Finnwale ihre natürlichen Filter während der Nahrungssuche sauber halten, soll nun in weiteren Untersuchungen erforscht werden.

Heiner Kubny, PolarJournal