Rückkehr der Grausturmvögel auf Macquarie Island

von Rosamaria Kubny
08/25/2026

Ein Grausturmvogel (Procellaria cinerea) gleitet mit langen, schmalen Flügeln elegant über den Südlichen Ozean. Die bedrohte Seevogelart verbringt den größten Teil ihres Lebens auf offener See und kehrt nur zur Brut auf wenige subantarktische Inseln wie Macquarie Island zurück. (Foto: Australian Antarctic Division)

Während die meisten Seevögel des Südlichen Ozeans in den Sommermonaten brüten, geht der Grausturmvogel (Procellaria cinerea) einen ungewöhnlichen Weg: Er zieht seine Jungen mitten im subantarktischen Winter auf. Schnee, Graupel und starke Winde gehören auf Macquarie Island zum Alltag – Bedingungen, an die sich diese robuste Seevogelart hervorragend angepasst hat. Gleichzeitig spielt sie eine wichtige ökologische Rolle, indem sie Nährstoffe aus dem Südlichen Ozean an Land transportiert und so die Inselökosysteme bereichert.

Ein Grausturmvogel (Procellaria cinerea) mit seinem Küken in einer tiefen Bruthöhle auf Macquarie Island. Die Art zieht ihren Nachwuchs während des subantarktischen Winters auf – gut geschützt in unterirdischen Nestern, die in dichte Tussockgras-Hänge gegraben werden. (Foto: Richard Dakin / Australian Antarctic Division)

Historische Aufzeichnungen zeigen, dass Grausturmvögel 1911 noch auf Macquarie Island brüteten, später jedoch vollständig verschwanden. Erst 1999 wurden wieder Brutvögel nachgewiesen – kurz nachdem verwilderte Hauskatzen durch den Tasmania Parks and Wildlife Service erfolgreich entfernt worden waren. Mit der anschließenden Ausrottung von Kaninchen, Ratten und Mäusen setzte sich die Wiederbesiedlung der Insel fort. Neben dem Wegfall der Ratten als Nesträuber konnten sich nach dem Verschwinden der Kaninchen auch die dichten Tussockgras-Bestände regenerieren, die den Vögeln ideale Brutplätze bieten.

Grausturmvögel legen im März oder April jeweils ein einziges Ei. Die Küken schlüpfen im Mai oder Juni und verbringen anschließend mehr als 100 Tage in ihren unterirdischen Bruthöhlen, bevor sie im Frühjahr flügge werden.

Mit einem speziellen Höhlenendoskop untersucht die Wildtierbiologin Dr. Sarah-Lena Reinhold eine Bruthöhle von Grausturmvögeln auf Macquarie Island. Die Forschenden erfassen Eier, Küken und Altvögel, um die Bestandsentwicklung der bedrohten Seevogelart zu dokumentieren. (Foto: Sarah-Lena Reinhold / Australian Antarctic Division)

Erstmals seit 2018 untersucht ein Team der Australian Antarctic Division (AAD) die Brutkolonien wieder systematisch. Die Wildtierbiologin Dr. Sarah-Lena Reinhold, Wildhüterin Karina Sorrell und Rangerin Gemma Rushton suchen mithilfe spezieller Höhlenendoskope nach Bruthöhlen und dokumentieren Eier, Küken und Altvögel. Die Arbeit ist mühsam: Oft kriechen die Forschenden stundenlang durch dichtes Tussockgras und schlammiges Gelände, um die versteckten Nester aufzuspüren.

Trotz der erfreulichen Rückkehr auf Macquarie Island bleibt der Grausturmvogel weltweit bedroht. Zu den größten Gefahren zählen der Beifang in der kommerziellen Langleinenfischerei, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsverfügbarkeit im Südlichen Ozean sowie die zunehmende Verschmutzung der Meere durch Plastik.

Ein Grausturmvogel (Procellaria cinerea) wird auf Macquarie Island vorsichtig mit einem leichten Satellitensender ausgestattet. Die Telemetrie liefert wertvolle Daten über die weiten Nahrungssuchflüge der bedrohten Seevogelart und unterstützt den Schutz ihrer Brutgebiete im Südlichen Ozean. (Foto: Marcus Salton / Australian Antarctic Division)

Die aktuelle Erfassung wird über mehrere Jahre fortgesetzt, um erstmals seit Langem eine aktualisierte Populationsschätzung für die gesamte Insel zu erstellen. Die gewonnenen Daten sollen zeigen, wie sich die Bestände entwickeln, und die Schutzmaßnahmen für diese bedrohte Art weiter verbessern. Das Monitoring ist Teil des behördenübergreifenden Macquarie Island Wildlife Monitoring Program und liefert zugleich wichtige Informationen für das Abkommen zur Erhaltung der Albatrosse und Sturmvögel (ACAP). Die Rückkehr der Grausturmvögel zeigt eindrucksvoll, wie wirksam konsequente Naturschutzmaßnahmen die Wiederbesiedlung ehemals verlorener Brutgebiete ermöglichen können.

Rosamaria Kubny, Polarjournal