Die von Bord eines Atomeisbrechers durchgeführten experimentellen Starts waren die ersten russischen Tests dieser Art in der Arktis. Dabei wurden neue Ansätze für Kommunikation und Umweltüberwachung in hohen Breiten erprobt.
Die im August durchgeführten Tests waren ursprünglich für den Nordpol geplant. Starke Winde zwangen die Beteiligten jedoch zu einer Änderung ihrer Pläne. Schließlich wurden zwei Starts in die Stratosphäre vom Atomeisbrecher 50 Let Pobedy aus durchgeführt. Berichten zufolge waren neben der Arktischen Universität Murmansk (MAU) mehrere russische privatwirtschaftliche, staatliche und gemeinnützige Partner an dem Projekt beteiligt. Auch das chinesische Harbin Institute of Technology wirkte mit.
Der erste Start fand bei 90° nördlicher Breite statt. Eine mit einem UKW-Sender ausgestattete Radiosonde stieg auf eine Höhe von mehr als 30 Kilometern. RUVDS, eines der beteiligten russischen Unternehmen, erklärte, dass nach Kenntnis des Unternehmens damit erstmals UKW-Rundfunk aus der Stratosphäre im Frequenzbereich handelsüblicher UKW-Empfänger ausgestrahlt worden sei.
Der zweite experimentelle Start musste aufgrund der Wetterbedingungen verlegt werden und fand einen Tag später in der Nähe von Franz-Josef-Land statt. Dabei wurde eine neu entwickelte, rückholbare Stratosphärenplattform für die Überwachung der Arktis getestet. Sie wird als eine Kombination aus Stratosphärenballon und einer flugzeugähnlichen Drohne beschrieben. Die Plattform trug mehrere Sensoren sowie eine experimentelle Multispektralkamera. Ihr entscheidender Vorteil besteht darin, dass sie geborgen werden kann. Dadurch lässt sich wertvolle Ausrüstung in ein vorgesehenes Gebiet zurückbringen und erneut verwenden. Die MAU bezeichnete den Versuch als den ersten erfolgreichen arktischen Start einer Stratosphärenplattform dieses Typs durch russische Wissenschaftler.
Von einem Heliumballon getragen, erreichte die Plattform eine Höhe von 15,5 Kilometern, bevor sie sich vom Trägersystem löste. Während sie Umwelt- und Wetterdaten sammelte, legte sie mehr als 100 Kilometer zurück. Anschließend öffnete sie einen Fallschirm und landete an einem vorher festgelegten Ort auf der Hooker-Insel im Franz-Josef-Land-Archipel. Schlechtes Wetter verzögerte die Bergung bis zum folgenden Tag, an dem die Plattform erfolgreich geborgen wurde.
Die Experimente waren Teil des Eisbrechers des Wissens, einer jährlich stattfindenden internationalen Bildungsexpedition, die Schülerinnen und Schüler zum Nordpol bringt. In diesem Jahr nahmen junge Menschen aus 23 Ländern an der Expedition teil. Sie beobachteten die Experimente nicht nur, sondern arbeiteten gemeinsam mit Fachleuten und halfen bei der Vorbereitung der Ausrüstung für die Starts. Die Organisatoren betonten, ihre wichtigste Leistung habe darin bestanden, das Bildungsprogramm der Expedition mit realen wissenschaftlichen Tests zu verbinden.
Die erprobten Technologien könnten in der Arktis vielfältig eingesetzt werden. Die rückholbare Plattform könnte zur Beobachtung der Meereisbedingungen, zur Bewertung der Folgen des Klimawandels, zur Überwachung von Meeressäugerpopulationen und für schnelle Reaktionen auf Umweltunfälle dienen. Nach Angaben der MAU bilden die Ergebnisse zudem eine technologische Grundlage, um die Qualität der Kommunikation entlang der Nordostpassage weiter zu verbessern und das Angebot an Kommunikationsmöglichkeiten auszubauen. Bei dem Radioexperiment wurde ein System getestet, das eines Tages ganz Russland mit Rundfunk versorgen könnte – einschließlich entlegener Gebiete ohne lokale Sendemasten.
Von Vedomosti zitierte Fachleute betrachten die Arbeiten als einen Schritt hin zu einem kostengünstigeren arktischen Überwachungssystem, das in Echtzeit und mit geringerer Abhängigkeit von Satellitendaten arbeiten könnte. Besonders hoben sie die Bedeutung einer größeren technologischen Unabhängigkeit angesichts der derzeitigen Sanktionsbeschränkungen hervor. Ihrer Einschätzung nach könnten preisgünstigere und schnell einsetzbare Kommunikations- und Überwachungssysteme unmittelbar zu einer sichereren Schifffahrt entlang der Nordostpassage beitragen.
Vertretern der MAU zufolge besteht der nächste Schritt darin, den ersten Flug der rückholbaren Plattform auszuwerten und ihre Konstruktion sowie Nutzlast für bestimmte Anwendungen weiterzuentwickeln. Regelmäßige Starts in vollem Umfang sind ab Winter 2027 geplant.
Dr. Yana Kirichenko, PolarJournal