Südkorea steigt in den Wettbewerb um neue Schifffahrtswege zwischen Asien und Europa ein. Am Samstag, 22. August 2026, soll die PanStar Acro den Hafen Busan verlassen und über die Nördliche Seeroute entlang der russischen Arktisküste nach Europa fahren. Es ist die erste Testfahrt eines südkoreanischen Containerschiffs auf dieser Route.
Das 2.758-TEU-Schiff der Reederei PanStar Line Dot Com soll zunächst durch die Beringstraße und anschließend westwärts entlang der sibirischen Küste fahren. Die Einfahrt in die Nördliche Seeroute ist für Ende August vorgesehen. In Europa stehen Felixstowe, Rotterdam und Gdańsk auf dem Fahrplan. Die Rückkehr nach Busan ist Anfang Oktober geplant. Insgesamt soll die Reise rund 40 bis 45 Tage dauern.
An Bord befinden sich 837 TEU Ladung, darunter Fahrzeuge, Autoteile, chemische und metallische Produkte sowie Leercontainer. Während südkoreanische Tanker und Massengutfrachter bereits zuvor arktische Gewässer befahren haben, betritt das Land mit einem Containerschiff Neuland.
Kürzer als durch den Suezkanal
Für Südkorea ist die Fahrt weit mehr als ein einzelner Schiffsversuch. Die Regierung will untersuchen, ob sich die Arktis künftig als kommerzieller Transportkorridor zwischen Ostasien und Europa eignet. Dabei sollen unter anderem Fahrzeit, Treibstoffverbrauch, Betriebskosten, Zuverlässigkeit und Versicherungsaufwand ausgewertet werden.
Die Strecke zwischen Busan und Rotterdam über die Arktis beträgt etwa 13.000 Kilometer. Gegenüber der traditionellen Verbindung durch den Suezkanal könnte sich die Distanz um rund 7.000 Kilometer und die Fahrzeit erheblich verkürzen. Südkorea verfolgt dabei langfristig das Ziel, Busan stärker als internationales Drehkreuz im Handel zwischen Asien und Europa zu positionieren.
Der Zeitpunkt der Fahrt ist bewusst gewählt. Im September erreicht die arktische Meereisbedeckung gewöhnlich ihr jährliches Minimum. Dennoch bleiben Eis, Wetter und die begrenzte Navigationssaison erhebliche Herausforderungen.
China und Südkorea testen den Weg nach Norden
Die Fahrt der PanStar Acro folgt nur wenige Tage nach dem Start des chinesischen Containerschiffs Dubai Tower von Ningbo nach Europa. Damit testen nun zwei der bedeutenden asiatischen Exportnationen nahezu gleichzeitig Containertransporte über die Arktis.
Noch ist die Nördliche Seeroute weit davon entfernt, mit den etablierten Handelswegen über den Suezkanal konkurrieren zu können. Neben den schwierigen Eis- und Wetterbedingungen spielen auch politische Fragen eine Rolle. Für die Passage entlang der russischen Küste sind Genehmigungen und Dienstleistungen russischer Behörden erforderlich, was angesichts westlicher Sanktionen zusätzliche Unsicherheiten schafft.
Auch aus Umweltsicht ist eine stärkere Nutzung umstritten. Mehr Schiffsverkehr bringt zusätzliche Emissionen sowie Risiken durch Unfälle und Schadstoffeinträge in besonders empfindliche arktische Ökosysteme.
Die PanStar Acro wird damit zu einem wichtigen Testfall. Gelingt die Reise planmäßig, dürfte Südkorea seine Pläne für regelmäßige Verbindungen über die Arktis weiter vorantreiben.
Heiner Kubny, PolarJournal