Die Russische Geographische Gesellschaft (RGS) gab bekannt, dass die Feldphase ihrer Expedition Russisches Spitzbergen begonnen hat. Dabei wollen Forschende das historische und kulturelle Erbe auf dem gesamten Archipel dokumentieren.
Von Pomorenstätten bis zu modernen Forschungsstationen
Nach Angaben der Russischen Geographischen Gesellschaft plant das Team, während der Feldsaison 2026 rund 300 Objekte zu erfassen und zu beschreiben, archäologische Untersuchungen durchzuführen und den identifizierten Objekten genaue Koordinaten zuzuweisen. Die gesammelten Informationen sollen für eine umfassende interaktive Karte des russischen historischen und kulturellen Erbes auf Spitzbergen genutzt und in das geografische Informationssystem der RGS integriert werden.
Die Untersuchung auf Spitzbergen ist zugleich Teil eines größeren Projekts, des geplanten Atlas des historischen und kulturellen Erbes Russlands in der Arktis. Ein Großteil des Materials für den künftigen Atlas wurde bereits während früherer Expeditionen zusammengetragen, unter anderem auf der Wrangelinsel und Nowaja Semlja. Sobald die Informationen aus Spitzbergen hinzukommen, will die Gesellschaft mit der Zusammenstellung des Atlas beginnen.
Wie in der Ankündigung dargelegt, konzentriert sich das Projekt auf Spuren russischer Aktivitäten auf Spitzbergen vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die geplante interaktive Karte soll Pomoren-Stätten, Überwinterungsplätze von Polarexpeditionen, das industrielle Erbe von Arktikugol und sowjetische Architektur sowie moderne Forschungsstationen und historische russische Ortsnamen zusammenführen.
Kulturerbe unter Druck
Die RGS gibt an, dass Teile dieses Kulturerbes weiterhin undokumentiert und gefährdet sind.
Die Bewahrung archäologischer Stätten auf Spitzbergen stellt angesichts sich verändernder Umweltbedingungen besondere Herausforderungen dar. Eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten beschäftigt sich mit der Frage, wie die rund 4.590 auf dem Archipel registrierten Kulturerbestätten geschützt werden können. Eine der jüngsten Studien hebt Herausforderungen wie tau bedingte Bodenabsenkungen, Solifluktion, Auftaurutschungen, Thermoerosionsrinnen sowie Küsten- und Flusserosion hervor und bewertet zugleich das relative Risiko für einzelne Kulturerbestätten auf Spitzbergen.
Arktische Interessen
Das Kartierungsprojekt steht zugleich in einem größeren politischen Kontext. Empfehlungen, die im Anschluss an das Internationale Arktisforum Arctic: Present and Future 2024 verabschiedet wurden, sprachen sich für die Fortsetzung der Kartierung des historischen und kulturellen Erbes der russischen Arktis aus. Das Dokument bezeichnete Karten als wichtiges Instrument staatlicher Politik sowie zur „Förderung und Festigung russischer Interessen in der Arktis“ und zugleich als Instrument für Forschung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Empfehlungen bezeichnen die Kartierung des russischen historischen und kulturellen Erbes auf Spitzbergen und der Wrangelinsel ausdrücklich als „äußerst wichtig“.
Indem das Projekt Informationen über verstreute historische Stätten in einer einzigen Datenbank zusammenführt, kann es dazu beitragen, diese Geschichte zu dokumentieren und zu bewahren, während Teile des arktischen Kulturerbes zunehmend gefährdet sind. Gleichzeitig zeigt die Sprache der RGS und des breiteren russischen Programms zur Kartierung des Kulturerbes, dass eine solche Dokumentation auch mit der heutigen Präsenz und den Interessen des Landes in der Arktis verknüpft ist.
Dr. Yana Kirichenko, PolarJournal