Das Nationale Antarktische Wissenschaftszentrum der Ukraine (NASC) hat ein neues fünfjähriges Abkommen über wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Indonesiens Nationaler Forschungs- und Innovationsagentur (BRIN) angekündigt. Es umfasst Forschung in der Antarktis und in den Tropen. Trotz der großen geografischen Entfernung und der gegensätzlichen Umweltbedingungen sind die Polar- und Tropenregionen durch globale Klima- und Ozeansysteme eng miteinander verbunden.
Enger verbunden, als es scheint
Im Rahmen der Zusammenarbeit sollen die Wechselwirkungen zwischen der antarktischen Atmosphäre, dem Südlichen Ozean und den Tropenregionen untersucht werden. Weitere Forschungsbereiche umfassen Geologie und Biodiversität, die Anpassung von Organismen an extreme Umweltbedingungen, die Suche nach biologisch aktiven Substanzen und Genen mit potenziellen biotechnologischen Anwendungen sowie Weltraumwetter.
Das Abkommen baut auf einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit auf, die sich zwischen den beiden Ländern bereits entwickelt hat. Im Mai empfing die Tropical–Polar Interconnection Research Group der indonesischen Universitas Gadjah Mada (UGM), die sich speziell mit den Verbindungen zwischen tropischen und polaren Umgebungen beschäftigt, Vertreter von BRIN und NASC. Die Gespräche umfassten Klimaforschung, Antarktisforschung, Biodiversität und Umweltmonitoring sowie Möglichkeiten für künftige gemeinsame Forschungsprojekte und Expeditionen.
(Image: Christopher Michel / CC BY 2.0 / beschnitten)
Forschung in beide Richtungen
Das Abkommen schafft einen Rahmen für gemeinsame Feldforschung, den Austausch von Forschenden und die gemeinsame Nutzung von Daten. Für die Ukraine eröffnet die Partnerschaft Möglichkeiten, mithilfe indonesischer Expertise und Forschungsinfrastruktur in tropischen Umgebungen zu forschen.
Für Indonesien ist die Zusammenarbeit Teil umfassenderer Bemühungen, den Beitrag des Landes zur internationalen Polarforschung zu stärken und seine Rolle in wissenschaftlichen Netzwerken zu Klima- und Umweltthemen auszubauen. Nach Angaben des NASC erklärte Indonesien 2025 seine Absicht, dem Antarktisvertrag beizutreten. Indonesische Quellen verweisen darüber hinaus auf Bestrebungen, die Beteiligung des Landes an der Antarktisforschung und an der Governance der Antarktis auszubauen. Die UGM und das indonesische Außenministerium haben zudem auf die Folgen von Veränderungen in den Polarregionen für den Inselstaat hingewiesen, darunter der Anstieg des Meeresspiegels, intensivere Extremwetterereignisse sowie Auswirkungen auf Küstenökosysteme und Meeresressourcen.
Die ersten gemeinsamen Arbeiten in der Antarktis sollen im kommenden Dezember beginnen. Indonesische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen an der ukrainischen Forschungsstation Akademik Vernadsky sowie an Bord des Forschungseisbrechers Noosphere arbeiten.
(Image: Ivanna Dudliv / CC BY-SA 4.0 / beschnitten)
Eine eigene Präsenz in der Antarktis aufbauen
Das NASC sieht die Partnerschaft als einen potenziell wichtigen Schritt bei der Entwicklung eines eigenen indonesischen Antarktisprogramms und geht davon aus, dass sie langfristig auch zur Einrichtung einer indonesischen Forschungsstation in der Antarktis beitragen könnte. Als Beispiel für eine solche Entwicklung verweist das NASC auf die Türkei.
Zu den frühen organisierten türkischen Forschungsaktivitäten in der Antarktis gehörte 2016 eine gemeinsam mit der Ukraine durchgeführte Expedition, bei der türkische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Vernadsky und in der Umgebung der Station arbeiteten. Im folgenden Jahr startete die Türkei ihre erste nationale Antarktisexpedition und begründete damit ein Programm, das seither mit regelmäßigen Expeditionen fortgeführt wird. 2019 richtete das Land auf Horseshoe Island ein temporäres wissenschaftliches Forschungscamp ein und arbeitet inzwischen auf die Einrichtung einer permanenten Antarktis-Forschungsstation hin.
In jüngerer Zeit spielte die Ukraine eine ähnliche Rolle für Mexiko. Ein 2025 unterzeichnetes Kooperationsabkommen ebnete den Weg für die erste mexikanische Antarktisexpedition. Mexikanische Forschende reisten an Bord der Noosphere nach Süden und arbeiteten während der Antarktissaison 2025–26 auf Vernadsky.
Indonesien könnte nun seine eigenen ersten Schritte auf einem ähnlichen Weg unternehmen. Die geplante Zusammenarbeit mit der Ukraine in der Antarktis erfolgt zu einer Zeit, in der Indonesien eine größere Rolle in der internationalen Polarforschung anstrebt und zugleich ukrainischen Forschenden Zugang zu tropischen Forschungsgebieten und entsprechender Expertise bietet.
Polar Journal AG Team