Damit handelt es sich weltweit erst um den dritten bestätigten Fall von Vogelgrippe bei einem Eisbären. Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass das Virus auf Spitzbergen weitaus verbreiteter ist.
Ein zweiter Eisbär auf Spitzbergen wurde positiv auf hochpathogene aviäre Influenza (HPAI), allgemein als Vogelgrippe bekannt, getestet, nur wenige Monate nachdem der erste Fall bei einem Eisbären auf dem Archipel bestätigt worden war.
Der junge Eisbär wurde im Juni tot auf Æøya nahe Virgohamna im Norden Spitzbergens gefunden. Die vom Gouverneur von Spitzbergen entnommenen Proben wurden später vom Norwegischen Veterinärinstitut untersucht. Dieses gab am 25. August bekannt, dass H5N5-Vogelgrippeviren sowohl in Nasen- als auch in Gehirnproben nachgewiesen worden waren. Das Tier wurde auch auf Tollwut getestet, mit negativem Ergebnis.
Es handelt sich erst um den zweiten bestätigten Nachweis von Vogelgrippe bei einem Eisbären in Norwegen und Europa.
Nur 23 Kilometer zwischen den beiden Fällen
Der erste europäische Fall wurde im Mai bestätigt, als ein junger männlicher Eisbär, der tot im Raudfjorden gefunden worden war, positiv auf H5N5 getestet wurde. Auch ein totes Walross, das im selben Gebiet gefunden wurde, war infiziert.
Die beiden infizierten Eisbären wurden nur rund 23 Kilometer voneinander entfernt gefunden. Der frühere Fund im Raudfjorden veranlasste Forschende dazu, auch eine Untersuchung des bereits auf Æøya gefundenen Eisbären zu empfehlen.
Mit dem jüngsten Fund wurde Vogelgrippe bislang weltweit nur in drei Fällen wissenschaftlich bei Eisbären nachgewiesen. Beim ersten bekannten Fall handelte es sich um einen jungen männlichen Eisbären, der im August 2023 tot in Alaska gefunden wurde.
Hinweise auf deutlich weitere Verbreitung
Dass es nur wenige bestätigte Fälle gibt, bedeutet jedoch nicht, dass Kontakte zwischen Eisbären und Vogelgrippeviren ebenso selten sind.
Untersuchungen des Norwegischen Veterinärinstituts gemeinsam mit dem Norwegischen Polarinstitut und weiteren Partnern haben bei einem großen Anteil der seit 2022 untersuchten Eisbären auf Spitzbergen Hinweise auf einen früheren Kontakt mit Vogelgrippeviren ergeben. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Virus unter den Eisbären zirkuliert und deutlich mehr Tiere damit in Kontakt gekommen sind als jene, bei denen nach ihrem Tod eine Infektion nachgewiesen wurde.
Bei beiden infizierten Eisbären auf Spitzbergen handelte es sich um Jungtiere. Forschende sehen darin weitere Hinweise darauf, dass jüngere Eisbären besonders anfällig sein könnten, wie dies auch bei einigen anderen fleischfressenden Säugetieren beobachtet wurde. Das Veterinärinstitut betont jedoch, dass die Datenlage weiterhin begrenzt ist. Noch ist wenig darüber bekannt, welche Folgen eine Infektion mit Vogelgrippe für einzelne Eisbären oder die Population insgesamt haben kann.
Das Virus aus dem jüngsten Fall soll nun weiter untersucht werden. Dabei wollen die Forschenden unter anderem prüfen, ob es Anzeichen für eine Anpassung an Säugetiere aufweist.
Vogelgrippe an beiden Polen
Polar Journal verfolgt auch die Entwicklungen rund um die Vogelgrippe bei Wildtieren in der Antarktis und Subantarktis aufmerksam. Dort waren an den jüngsten Ausbrüchen H5N1-Viren beteiligt, ein anderer Subtyp als H5N5, das bei den beiden Eisbären auf Spitzbergen nachgewiesen wurde.
Bis Ende 2023 war hochpathogene aviäre Influenza in der Antarktisregion noch nie nachgewiesen worden. Heute kommt sie bei Wildtieren in beiden Polarregionen vor, wobei jüngste Nachweise eine wachsende Zahl betroffener Arten zeigen. Gleichzeitig ist über die möglichen Folgen für die polare Tierwelt und die Ökosysteme noch vieles unbekannt, sodass eine kontinuierliche Überwachung und weitere Forschung zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Dr. Yana Kirichenko