Die Krillfischerei in der Antarktis ist 2026 erneut vorzeitig beendet worden. Bereits am 12. August war in den Fanggebieten des Südatlantiks die Schwelle von 620.000 Tonnen erreicht. Wissenschaftler sehen jedoch weniger die Gesamtmenge als die zunehmende Konzentration der Fangschiffe in wichtigen Nahrungsgebieten von Pinguinen, Robben und Walen mit Sorge.
Antarktischer Krill (Euphausia superba) ist nur wenige Zentimeter groß, spielt aber eine Schlüsselrolle im Ökosystem des Südlichen Ozeans. Pinguine, Robben, Wale, Seevögel und zahlreiche Fischarten sind direkt oder indirekt auf die kleinen Krebstiere als Nahrung angewiesen.
Gleichzeitig wächst die wirtschaftliche Bedeutung des Krills. Er wird unter anderem zu Futtermitteln für Aquakulturen sowie zu Omega-3-Produkten verarbeitet.
Die von der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) festgelegte sogenannte Trigger-Schwelle für Area 48 liegt bei 620.000 Tonnen. 2026 wurde sie bereits am 12. August erreicht, zum zweiten Mal in Folge deutlich vor dem regulären Saisonende. 2025 war die Fischerei sogar schon am 1. August geschlossen worden.
Fangflotte konzentriert sich auf wenige Gebiete
Die Gesamtfangmenge ist allerdings nur ein Teil des Problems. Die Meeresbiologin Kim S. Bernard von der Oregon State University, die seit 16 Jahren antarktischen Krill untersucht, weist vor allem auf die räumliche Konzentration der Fischerei hin.
Schiffsbewegungsdaten von Global Fishing Watch zeigen, dass die Krillflotte 2026 hauptsächlich in der Bransfieldstraße und Gerlachestraße an der Antarktischen Halbinsel sowie nordwestlich der Süd-Orkney-Inseln operierte. In großen Teilen der übrigen Area 48 fand dagegen kaum oder gar keine Krillfischerei statt.
Genau diese Gewässer sind gleichzeitig wichtige Nahrungsgebiete für Pinguine, Robben und Wale. Krill verteilt sich nicht gleichmäßig im Südlichen Ozean, sondern bildet große, lokal konzentrierte Schwärme. Werden solche Ansammlungen intensiv befischt, kann deshalb auch eine insgesamt vorsichtig festgelegte Fangmenge örtlich Auswirkungen haben.
Schutzregelung ausgelaufen
Bis 2024 existierte zusätzlich zur Gesamtfangmenge eine Regelung, welche die Krillfischerei auf verschiedene Teilgebiete verteilte. Damit sollte verhindert werden, dass ein großer Teil des Fangs aus wenigen ökologisch besonders wichtigen Regionen stammt.
Diese Regelung lief jedoch aus, ohne dass sich die CCAMLR-Mitglieder auf eine Nachfolgeregelung einigen konnten. Seitdem hat sich die Fischerei stärker auf einzelne Gebiete konzentriert. Nach Angaben der Antarctic and Southern Ocean Coalition stieg der Fang allein im Gebiet 48.1 rund um die Antarktische Halbinsel gegenüber früheren Jahren erheblich an.
Die Fischereiindustrie verweist dagegen darauf, dass die bestehende Regulierung funktioniert: Sobald die Schwelle von 620.000 Tonnen erreicht wird, wird die Saison beendet. Zudem entspricht diese Menge weniger als einem Prozent der bei einer großen CCAMLR-Erhebung 2019 geschätzten Krillbiomasse in Area 48.
Entscheidung im Oktober
Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wo Krill gefangen werden darf und wie die Fangmengen künftig räumlich verteilt werden sollen.
Bei der nächsten CCAMLR-Jahrestagung im Oktober soll erneut über ein modernisiertes Management der Krillfischerei beraten werden. Ebenfalls auf dem Tisch steht ein großes Meeresschutzgebiet rund um die Antarktische Halbinsel.
Für das Ökosystem könnte die Entscheidung weitreichend sein. Denn Krill bildet eine der wichtigsten Grundlagen des antarktischen Nahrungsnetzes und dieselben Schwärme, auf die es die Fangflotten abgesehen haben, ernähren auch einen großen Teil der Tierwelt des Südlichen Ozeans.
Heiner Kubny, PolarJournal