Neue Insel entsteht vor Spitzbergen

von Heiner Kubny
09/08/2026

Schmelzwasser durchzieht die Oberfläche einer arktischen Eiskappe und stürzt über die mächtige Gletscherfront ins Meer. Die Illustration veranschaulicht Prozesse, wie sie während der sommerlichen Schmelzperiode auch an der Austfonna auf Nordaustlandet, Spitzbergen, auftreten.

Der Rückzug der Gletscher verändert die Landkarte Spitzbergens. An der Südostküste von Nordaustlandet ist eine neue Insel entstanden. Eine zuvor mit dem Eis verbundene Landfläche ist durch den Rückzug der mächtigen Austfonna inzwischen vollständig vom Gletscher getrennt.

Wie das Norwegische Polarinstitut am 4. September 2026 mitteilte, wurde die Insel auf Satellitenbildern dieses Sommers entdeckt. Sie liegt im Harald-V-Land an der Südostseite der Austfonna, der größten Eiskappe Spitzbergens.

Satellitenaufnahme der Südostküste der Austfonna auf Nordaustlandet, Spitzbergen, vom 30. August 2025. Die felsige Landfläche rechts ist zu diesem Zeitpunkt noch durch Gletschereis mit der Austfonna verbunden. Im Sommer 2026 zog sich die Gletscherfront weiter zurück und machte daraus eine eigenständige Insel. (Foto: Copernicus Sentinel-2 / ESA)

Noch vor kurzer Zeit war die felsige Landfläche durch Gletschereis mit dem übrigen Land verbunden. Bereits im Spätherbst 2025 öffnete sich jedoch ein schmaler Wasserweg. Inzwischen hat sich die Eisfront weiter zurückgezogen und zwischen der neuen Insel und dem Gletscher liegen rund 400 Meter Wasser.

Eine wichtige Ursache dürfte das wärmer werdende Meer östlich von Spitzbergen sein. Der Glaziologe Geir Moholdt vom Norwegischen Polarinstitut geht davon aus, dass warmes Meerwasser wesentlich zum schnellen Rückzug der Gletscherfront beigetragen hat. Gleichzeitig setzen wärmere Sommer dem Eis von oben zu. In den vergangenen Jahren verloren die Gletscher Spitzbergens im Durchschnitt mehr als einen Meter Eis an ihrer Oberfläche pro Jahr.

Die neue Insel wird sichtbar: Am 29. Juli 2026 hat sich die Gletscherfront der Austfonna an der Südostküste von Nordaustlandet deutlich zurückgezogen. Zwischen dem Eis und der zuvor damit verbundenen Landfläche hat sich eine Wasserstraße geöffnet – aus der Landzunge ist eine neue Insel geworden. (Foto: Copernicus Sentinel-2)

Die Veränderungen werden zunehmend auch auf den Landkarten sichtbar. Gletscherfronten ziehen sich zurück, Fjorde verlängern sich und bislang vom Eis verdeckte Landflächen kommen zum Vorschein. Deshalb wird Spitzbergen regelmäßig aus der Luft und mit Satelliten neu vermessen.

Die Karte zeigt den Spitzbergen-Archipel. Der rote Punkt an der Ostküste von Nordaustlandet markiert die Lage der neu entstandenen Insel, die durch den Rückzug der Austfonna vom Gletschereis getrennt wurde. (Karte: Norwegisches Polarinstitut)

Die jetzt entdeckte Insel dürfte dabei kein Einzelfall bleiben. Nach Angaben des Norwegischen Polarinstituts gibt es bereits mehrere weitere Gebiete, aus denen durch den fortschreitenden Gletscherrückzug neue Inseln entstehen könnten.

Die Entdeckung zeigt damit auf besonders anschauliche Weise, wie die Erwärmung der Arktis inzwischen nicht nur das Eis, sondern auch die Landkarte Spitzbergens verändert.

Heiner Kubny, PolarJournal