Wo heute kilometerdickes Eis die Westantarktis bedeckt, wuchsen vor rund 90 Millionen Jahren sumpfige Wälder und in ihnen brannte es regelmäßig. Eine neue Studie zeigt, dass die Feuer sogar die Entstehung früher Torfmoore begünstigt haben könnten.
Ein internationales Forschungsteam um Johann P. Klages vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) untersuchte einen Sedimentkern aus dem Amundsenmeer. Er wurde während einer Polarstern-Expedition vor der Westantarktis geborgen und enthält Überreste eines rund 90 Millionen Jahre alten Waldbodens. Die Region lag damals nur etwa 900 Kilometer vom Südpol entfernt.
In den Sedimenten entdeckten die Forschenden mikroskopische Holzkohle, durch Feuer verändertes Baumharz und weitere Brandspuren. Vermutlich handelte es sich überwiegend um Boden- und Schwelbrände, die wahrscheinlich durch Blitze ausgelöst wurden.
Die Antarktis sah damals völlig anders aus als heute. In der späten Kreidezeit herrschte nahe dem Südpol ein gemäßigt warmes Klima. Nadelbäume, Farne und andere Pflanzen bildeten sumpfige Wälder, trotz der mehrmonatigen Polarnacht.
Wiederkehrende Brände könnten die Vegetation geöffnet und dadurch die Ausbreitung von Torfmoosen der Gattung Sphagnum gefördert haben. So entstanden möglicherweise frühe Torfmoore, die große Mengen Kohlenstoff speichern konnten.
Die Studie “Co-evolution of wildfires and early Sphagnum-peatlands near the Cretaceous South Pole” erschien am 7. September 2026 in Communications Earth & Environment. Sie zeichnet das Bild einer Antarktis, in der Wälder und Moore existierten und Feuer brannten, wo heute mächtige Eismassen liegen.
Heiner Kubny, PolarJournal