Die ins Meer mündenden Gletscher Spitzbergens haben sich in den vergangenen zwei Jahren außergewöhnlich stark zurückgezogen. Im Durchschnitt wichen ihre Gletscherfronten rund 200 Meter zurück, so viel wie seit Beginn der systematischen Messungen nicht mehr.
Wie das Norwegische Polarinstitut am 28. September 2026 berichtet, zeigen die Satellitenmessungen für den Zeitraum 2024 bis 2026 einen neuen Rekord. Seit Beginn dieser Messreihe im Jahr 2013 wurde kein vergleichbar starker Rückzug der ins Meer mündenden Gletscher des Archipels festgestellt.
Besonders deutlich ist die Entwicklung bei Kronebreen, Monacobreen und Storisstraumen am Austfonna. Dort zogen sich die Gletscherfronten innerhalb von zwei Jahren um 600 bis 900 Meter zurück. Bei zehn weiteren Gletschern war der Rückzug so stark, dass ihre Fronten inzwischen vollständig an Land liegen und keinen direkten Kontakt zum Meer mehr haben.
Eine wesentliche Rolle spielt nach Angaben der Forschenden das wärmer werdende Meerwasser. Es kann die Gletscherfronten von unten abschmelzen, Hohlräume unter dem Eis schaffen und dadurch das Kalben beschleunigen. Dieser Prozess kann auch weitergehen, wenn die Lufttemperaturen bereits unter den Gefrierpunkt gefallen sind.
Der Wandel hat Folgen für die Fjorde Spitzbergens. Wenn Gletscher nicht mehr direkt ins Meer münden, verändern sich die Zufuhr von Schmelzwasser und Nährstoffen sowie die Lebensbedingungen für zahlreiche marine Arten. Gleichzeitig tragen Abschmelzen und Eisverlust der Gletscher zum globalen Meeresspiegelanstieg bei.
Die neuen Beobachtungen zeigen, wie schnell sich Spitzbergens Küsten- und Gletscherlandschaft gegenwärtig verändert.
Heiner Kubny, PolarJournal