Eine neue Studie zeigt, dass die Insel Zavodovski fast zwei Drittel ihrer brütenden Zügelpinguine verloren hat. Damit verliert sie ihren Status als weltweit grösste Pinguinkolonie.
Zügelpinguine, die ihren Namen dem schmalen schwarzen Band unter ihrem Kinn verdanken, brüten auf der Antarktischen Halbinsel und den umliegenden Inseln. Polar Journal hat bereits über ihre Bestandsrückgänge berichtet, insbesondere entlang der Halbinsel. Auf den Südlichen Sandwichinseln verhinderten jedoch begrenzte historische Beobachtungsdaten vergleichbare Bewertungen.
Eine neue Studie schätzt nun, dass die Zahl der brütenden Zügelpinguine auf Zavodovski, der nördlichsten der Südlichen Sandwichinseln, von rund 1,09 Millionen Individuen im Jahr 2011 auf 402.000 im Jahr 2025 gesunken ist.
Unterschiedliche Entwicklungen
Die Forschenden nutzten Drohnenaufnahmen und Luftbilder und verglichen die Ergebnisse mit Satellitendaten, um Veränderungen in den Brutkolonien zu untersuchen.
Auf Zavodovski leben Zügel- und Goldschopfpinguine, doch die Studie zeigt gegensätzliche Bestandstrends. Während die Zahl der Zügelpinguine drastisch zurückging, nahm die der Goldschopfpinguine zwischen 2011 und 2016 um etwa 28 % zu und blieb danach weitgehend stabil. Inzwischen sind Goldschopfpinguine auf der Insel zahlreicher als Zügelpinguine. Die Forschenden beschreiben diese Umkehr als die grösste dokumentierte Veränderung in der Zusammensetzung einer Pinguingemeinschaft an einem einzelnen antarktischen Standort.
Obwohl beide Arten im Meer nach Nahrung suchen und an Land nisten, unterscheiden sich ihre Ernährungsgewohnheiten. Zügelpinguine sind stark von Antarktischem Krill abhängig, kleinen Meereskrebsen, und bevorzugen kühlere Gewässer. Goldschopfpinguine können auch Fische und andere Beutetiere fressen und in wärmeren Gewässern nach Nahrung suchen. Dadurch haben sie mehr Möglichkeiten, wenn Krill weniger gut erreichbar ist.
Was treibt den Rückgang an?
Die Forschenden sehen klimabedingte Veränderungen der Nahrungsverfügbarkeit als wahrscheinlichste Erklärung. Die gegensätzliche Entwicklung der beiden Arten liefert dabei einen wichtigen Hinweis.
Durch die Erwärmung der Gewässer hat sich die Verbreitung des Krills nach Süden verlagert, wodurch Zügelpinguinen möglicherweise weniger Nahrung zur Verfügung steht. Goldschopfpinguine können dank ihrer grösseren Flexibilität bei der Ernährung auf andere Beutetiere ausweichen.
Für alternative Erklärungen fanden die Forschenden weniger Anhaltspunkte. Der Rückgang der Zügelpinguine begann bereits vor dem Ausbruch des Mount Curry im Jahr 2016 und setzte sich danach fort. Das deutet darauf hin, dass der Vulkan nicht die Hauptursache war. Da weiterhin Nistplätze verfügbar sind, spricht wenig für Konkurrenz um Brutlebensräume. Auch Nahrungskonkurrenz durch Goldschopfpinguine oder Buckelwale wurde als unwahrscheinliche Ursache eingestuft.
Im umliegenden Meeresschutzgebiet ist die Krillfischerei verboten. Ob die Fischerei in Gewässern, die durch Meeresströmungen mit dem Schutzgebiet verbunden sind, die Nahrungsverfügbarkeit beeinflusst, bleibt unklar.
Den Forschenden zufolge geht der Titel der weltweit grössten Pinguinkolonie durch die Verluste auf Zavodovski nun an Kap Adare im antarktischen Rossmeer. Sie empfehlen ausserdem zu prüfen, ob der globale IUCN-Gefährdungsstatus der Zügelpinguine von «nicht gefährdet» auf «stark gefährdet» angehoben werden sollte.
PolarJournal Team