Antarktis – Mitten im kältesten Kontinent der Erde liegt eine der extremsten Landschaften unseres Planeten: die McMurdo Dry Valleys. Seit fast zwei Millionen Jahren ist hier kein nennenswerter Niederschlag gefallen – weder Regen noch Schnee. Damit gelten die Täler als die trockenste und zugleich kälteste Wüste der Erde.
Ursache für dieses außergewöhnliche Phänomen ist eine Kombination aus geografischen und klimatischen Extrembedingungen. Das mächtige Transantarktisches Gebirge wirkt wie eine natürliche Barriere und verhindert, dass feuchte Luftmassen vom antarktischen Ozean in die Täler vordringen. Zusätzlich prägen sogenannte Fallwinde – extrem kalte, dichte Luftströme vom antarktischen Hochplateau – das Klima der Region. Diese Winde erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 320 km/h, entziehen Schnee jegliche Feuchtigkeit und lassen ihn direkt sublimieren: Eis verwandelt sich dabei unmittelbar in Wasserdampf.
Die Antarktis, mit einer Fläche von rund 14,2 Millionen Quadratkilometern etwa 40 Prozent größer als Europa, ist bekannt als der kälteste, windigste und am dünnsten besiedelte Kontinent der Erde. Doch nirgendwo zeigt sich ihre Extreme so eindrucksvoll wie in den McMurdo-Trockentälern. Statt Eis und Schnee dominieren dort kahle Felsen, trockene Böden und salzhaltige Seen.
Entdeckt wurden die Täler bereits 1903 vom britischen Polarforscher Robert Falcon Scott. Heute sind sie ein Hotspot der internationalen Forschung. Wissenschaftler nutzen die Region als natürliches Labor, um Prozesse in extremen Lebensräumen zu untersuchen – mit Blick weit über die Erde hinaus. Denn die Oberflächenbedingungen der McMurdo Dry Valleys ähneln stark denen des Mars. Raumfahrtorganisationen wie die NASA erforschen hier, wie Leben unter extremen Bedingungen existieren könnte und was das für zukünftige Missionen auf dem Roten Planeten bedeutet.
Mit ihrer fast vollständig eisfreien Fläche von rund 4.800 Quadratkilometern bleiben die McMurdo-Trockentäler eines der faszinierendsten und zugleich rätselhaftesten Gebiete der Erde – ein Ort, an dem selbst Regen seit Jahrmillionen keine Chance hat.
Heiner Kubny, PolarJournal