KI verfolgt den Lebenszyklus von Eisbergen

von Heiner Kubny
02/09/2026

Künstliche Intelligenz identifiziert auf Satellitenbildern einzelne Eisberge. Die gewonnenen Daten helfen der Klimaforschung, Schmelzprozesse zu analysieren und den Süßwassereintrag in die Ozeane besser zu verstehen. (Foto: NASA)

Wie des British Antarctic Survey (BAS) mitteilt, haben Wissenschaftler ein neuartiges KI-System entwickelt, das erstmals den gesamten Lebenszyklus von Eisbergen automatisch verfolgen kann, von ihrer Entstehung über das Driften und Schmelzen bis hin zu ihrem Zerbrechen in zahlreiche Fragmente.

Mithilfe von Satellitenbildern identifiziert die künstliche Intelligenz einzelne Eisberge, vergibt eindeutige Kennungen und kann selbst nach einem Bruch die entstandenen Teile wieder dem ursprünglichen Eisberg zuordnen. So entstehen detaillierte digitale „Stammbäume“, die zeigen, woher jedes Eisfragment stammt und wie es sich weiterentwickelt.

In den frühen Morgenstunden des 20. Mai 2024 löste sich mit dem Eisberg A-83 bereits der dritte Eisberg vom Blunt-Schelfeis. Alle diese Abbrüche ereigneten sich innerhalb von vier Jahren. (Foto: ESA)

Diese Informationen sind entscheidend für die Klimaforschung, da schmelzende Eisberge große Mengen Süßwasser ins Meer eintragen und dadurch Meeresströmungen, Ökosysteme und globale Klimamuster beeinflussen können. Bisher war die Verfolgung kleinerer Eisfragmente eine große Unsicherheit in Klima- und Ozeanmodellen.

„Zum ersten Mal können wir nachvollziehen, woher jedes einzelne Eisfragment stammt und warum das für das Klima relevant ist“, sagt Ben Evans, Hauptautor der Studie und Experte für maschinelles Lernen beim BAS.

Die Daten fließen in das NEMO-Ozeanmodell ein, das Teil des britischen Erdsystemmodells ist, und verbessern die Vorhersagen von Ozean- und Klimaprozessen. Darüber hinaus bietet der Ansatz praktische Vorteile für die Navigation in Polargewässern.

Der Beobachtungssatellit Sentinel-1 hat die Aufgabe, radargestützte Beobachtungen der Erde von seinem etwa 700 km hohen Orbit zu machen. Er fliegt in einem polarnahen Orbit und tastet die Erde dabei streifenweise ab. Die Breite der beobachteten Streifen schwankt zwischen 80 und 410 km. (Foto: ESA)

Die Forschung wurde durch den EPSRC-Grant EP/Y028880/1, das Alan Turing Institute und das Programm Polar Science for a Sustainable Planet des British Antarctic Survey gefördert.

Heiner Kubny, PolarJournal