Arktische Brände als Klimawarnsignal

von Heiner Kubny
03/12/2026

Waldbrände sind heute aktiver als je zuvor in den letzten 3.000 Jahren. Wissenschaftler sagen, dass durch die Erwärmung verursachte Trocknung und sich ausdehnende Sträucher die Region in ein heißeres, extremeres Feuerregime treiben. (Foto: Pixbay)

Waldbrände erfassen zunehmend Regionen der Arktis, die lange als zu kalt und zu feucht für großflächige Feuer galten. Von Alaskas Nordhang über die Wälder Sibiriens bis in den Norden Kanadas beobachten Forschende eine deutliche Zunahme der Brandaktivität, mit Folgen, die weit über die betroffenen Gebiete hinausreichen.

Wissenschaftliche Analysen von Torfkernen und Satellitendaten zeigen, dass große Brände am Nordhang Alaskas über Jahrtausende hinweg selten waren. Erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts kam es zu einem deutlichen Wandel. Laut neuer Forschung, die in der Fachzeitschrift Biogeosiences veröffentlicht wurde, waren die Waldbrände auf Alaskas North Slope im vergangenen Jahrhundert intensiver als zu jedem anderen Zeitpunkt in den letzten 3.000 Jahren.

Auch in Sibirien und Kanada wurden in den letzten Jahren außergewöhnlich schwere Brandsaisons registriert. In Teilen Zentralsibiriens hat sich die Brandaktivität nach Auswertungen von Satellitendaten nahezu verdoppelt.

Von Alaskas Nordhang über die Wälder Sibiriens bis in den Norden Kanadas nimmt die Brandaktivität deutlich zu. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und tauende Permafrostböden begünstigen immer häufigere und intensivere Feuer in den nördlichen Breiten. (Grafik: NASA)

Die Ursachen liegen vor allem in der raschen Erwärmung der Arktis. Durch das Auftauen des Permafrosts trocknen Böden aus, die zuvor dauerhaft gefroren waren, und werden leichter entzündbar. Gleichzeitig verändert sich die Vegetation. Sträucher und Gehölze breiten sich weiter nach Norden aus und verdrängen typische Tundrapflanzen wie Moose und Seggen. Diese Entwicklung erhöht die verfügbare Brennmasse und begünstigt intensivere Feuer. In vielen Regionen entsteht so ein neues Brandregime mit häufigeren, länger andauernden und schweren kontrollierbaren Bränden.

Besonders beunruhigend ist das Auftreten sogenannter „Zombie-Feuer“. Diese Brände schwelen unterirdisch in Torf- und Humusschichten weiter und können den Winter überdauern. Geschützt durch die isolierende Schneedecke glimmen sie monatelang unter der Oberfläche und flammen im Frühjahr erneut auf. Mit längeren, wärmeren Sommern und weiter austrocknenden Böden könnte die Zahl dieser überwinternden Brände zunehmen.

Sogenannte „Zombiefeuer“ in den Torfgebieten Alaskas, Kanadas und Sibiriens verschwinden von der Erdoberfläche und glühen im Winter unbemerkt unterirdisch weiter, bevor sie im folgenden Frühjahr erneut aufflammen. (Foto: Copernicus Sentinel)

Arktische Böden speichern enorme Mengen Kohlenstoff, der über Jahrhunderte oder Jahrtausende gebunden wurde. Wenn Feuer in diese Schichten eindringen, setzen sie große Mengen Kohlendioxid und Methan frei. Dadurch verstärkt sich die globale Erwärmung weiter, ein gefährlicher Rückkopplungseffekt, bei dem steigende Temperaturen mehr Brände begünstigen, die wiederum zusätzliche Treibhausgase freisetzen.

Neben den klimatischen Auswirkungen leiden auch Ökosysteme, Wildtiere und indigene Gemeinschaften unter den zunehmenden Bränden. Rauch kann Tausende Kilometer weit ziehen und die Luftqualität weit außerhalb der Arktis beeinträchtigen.

Die wachsende Intensität arktischer Waldbrände verdeutlicht, dass sich der hohe Norden grundlegend verändert. Die Region steht zunehmend im Fokus internationaler Forschung und Klimapolitik, als Frühwarnsystem einer sich beschleunigenden globalen Erwärmung.

Heiner Kubny, PolarJournal