Ein aktueller Bericht zeigt, dass die Schifffahrtsaktivität in der Arktis längere eisfreie Perioden, schmelzendes Meereis und wachsende Nachfrage nach arktischen Ressourcen wie Eisenerz und Erdgas in den letzten 12 Jahren stark gestiegen ist. Laut der Arbeitsgruppe des Arctic Council zum Schutz der arktischen Meeresumwelt (PAME) passierten 2025 insgesamt 1812 Schiffe (jedes Schiff wurde nur einmal gezählt, auch wenn es mehrere Fahrten in die Arktis unternahm) den Bereich des Polar Codes, ein Anstieg von 40 % seit 2013. Die gesamthaft zurückgelegte Strecke der Schiffe hat sich im gleichen Zeitraum fast verdoppelt, von 6,1 auf 11,9 Millionen Seemeilen, was die schnelle Ausweitung des Schiffsverkehrs in der Arktis verdeutlicht. Mit über 1000 Schiffen in der Region, bleibt der September Spitzenmonat, da dann die Meereisausdehnung das jährliche Minimum erreicht.
Fischereischiffe sind die häufigsten Schiffe in arktischen Gewässern und machen 40 % des Verkehrs aus, gefolgt von allgemeinen Frachtschiffen. Rohöltanker, Bulkcarrier und Kreuzfahrtschiffe verzeichneten das größte relative Wachstum, wobei die Zahl der Rohöltanker seit 2013 um 396 % gestiegen ist. Projekte wie die Mary River Mine in Nunavut und das Yamal-Gas-Projekt in Russland trugen wesentlich zu diesem Anstieg bei und eröffneten neue Handelsrouten.
Der Internationale Code für Schiffe, die in Polargewässern operieren, bekannt als Polar Code, legt Standards für Sicherheit und Umweltschutz fest. Er wurde 2017 von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) verabschiedet und schreibt verpflichtende Anforderungen an Schiffsdesign, Bau, Ausrüstung, Betriebsabläufe und Ausbildung der Besatzung vor. Der Code zielt darauf ab, die Sicherheit zu erhöhen und die Umweltauswirkungen in Polarregionen zu reduzieren. Die Einhaltung des Polar Codes ist ein wichtiger Schritt, um die Schifffahrt in der Arktis sicher und nachhaltig zu gestalten.
Mit zunehmender Aktivität betont PAME die Bedeutung genauer Überwachung und Berichterstattung. Das Arctic Ship Traffic Data System erfasst Schiffstypen, Routen, Hafenaktivitäten und Emissionen. Diese Informationen werden genutzt, um Schiffsverkehrstrends zu analysieren und die Entwicklung von Richtlinien zu unterstützen. In einer Arktis, die sich immer stärker für die Schifffahrt öffnet, sorgt die Einhaltung von Vorschriften und Überwachung für sicheren Verkehr und begrenzte Auswirkungen auf die Region.
Léa Zinsli, PolarJournal