Nach mehreren Todesfällen auf dem Expeditionsschiff MV Hondius hat die Weltgesundheits-Organisation (WHO) einen dringenden Aufruf gestartet. Gesucht werden 82 Passagiere eines Airlink-Fluges von St. Helena nach Johannesburg, auf dem eine später am Hantavirus verstorbene Frau gereist war.
In den vergangenen Wochen war die MV Hondius von Ushuaia in Argentinien aus durch den Südatlantik unterwegs.
Während der Reise infizierten sich mehrere Menschen mit dem gefährlichen Hantavirus. Drei Personen starben inzwischen an den Folgen der Erkrankung, darunter ein niederländisches Ehepaar. Der Mann verstarb noch an Bord des Schiffes. Seine Ehefrau verließ die MV Hondius auf der Insel St. Helena, um den Leichnam ihres Mannes nach Europa begleiten zu können. Sie flog anschließend mit einer Linienmaschine der südafrikanischen Fluggesellschaft Airlink nach Johannesburg, wo sie am Flughafen zusammenbrach und später starb.
Die WHO bittet nun alle Passagiere des Fluges 4Z132 vom 25. April, sich bei den Gesundheitsbehörden zu melden. An Bord der Embraer E190 von Airlink befanden sich insgesamt 88 Menschen, darunter die infizierte Niederländerin. Bereits vor dem Flug hatte sie über Magen-Darm-Beschwerden geklagt. Während des Fluges verschlechterte sich ihr Zustand deutlich.
Das Hantavirus wird hauptsächlich durch Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen, etwa durch Kontakt mit Urin, Kot oder Speichel sowie über kontaminierte Oberflächen. Typische Symptome sind Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schüttelfrost, Schwindel und Magen-Darm-Beschwerden. In schweren Fällen kann es zu Atemnot und Kreislaufversagen kommen.
Besonders besorgt sind die Behörden wegen des sogenannten Anden-Hantavirus. Laut WHO kann dieser Virustyp unter engen Kontaktbedingungen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden, eine seltene, aber gefährliche Besonderheit unter den Hantaviren.
Heiner Kubny, PolarJournal