ENVEO verstärkt Österreichs Polarforschung

von Heiner Kubny
08/13/2026

Das österreichische Fernerkundungs-Unternehmen ENVEO IT ist neues wissenschaftliches Mitglied des Austrian Polar Research Institute (APRI)
Karte der Eisgeschwindigkeit (Magnitude in m/Tag) an der Antarktischen Halbinsel, abgeleitet aus Sentinel-1 SAR-Daten. (Grafik: Austrian Polar Research Institute)

Das österreichische Fernerkundungsunternehmen ENVEO IT ist neues wissenschaftliches Mitglied des Das österreichische Fernerkundungsunternehmen ENVEO IT ist neues wissenschaftliches Mitglied des Austrian Polar Research Institute (APRI) (APRI). Mit dem Beitritt soll die Zusammenarbeit innerhalb der österreichischen Polarforschung gestärkt und die internationale Sichtbarkeit der nationalen Forschungsaktivitäten weiter erhöht werden. Gleichzeitig bringt ENVEO seine langjährige Expertise in der satellitengestützten Beobachtung der Kryosphäre in das Netzwerk ein.

ENVEO entwickelt Verfahren, mit denen aus Erdbeobachtungsdaten von Satelliten Umweltparameter für Forschung und praktische Anwendungen gewonnen werden. Zu den wichtigsten Arbeitsgebieten gehören Hydrologie, Wasserwirtschaft und Klimaforschung. Besonders stark engagiert sich das Unternehmen jedoch im Bereich der Landkryosphäre – also bei der Überwachung von Schnee, Gletschern sowie den Eisschilden Grönlands und der Antarktis.

Fließgeschwindigkeit von Gletschern in Nordgrönland, abgeleitet aus Sentinel-1 Daten und Eisexport (Gt/Jahr) des Academy Gletschers von 2015 bis 2025, basierend auf Geschwindigkeit und Dicke des Eisstroms. (Grafik: APRI)

Einen Schwerpunkt bilden hochauflösende Karten der Fließgeschwindigkeit von Gletschern und Eisschilden. Grundlage dafür sind Radardaten der europäischen Copernicus-Mission Sentinel-1, deren erste Satelliten seit 2014 im Einsatz sind. Mithilfe speziell entwickelter Auswerteverfahren erstellt ENVEO kontinuierlich aktualisierte Zeitreihen, die Veränderungen der Eisbewegung mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung dokumentieren. In besonders dynamischen Regionen der Antarktis werden neue Geschwindigkeitskarten teilweise bereits im Abstand von sechs bis zwölf Tagen erzeugt.

Die Daten liefern wichtige Erkenntnisse über den Zustand der großen Eisschilde. So zeigen die Langzeitmessungen am Thwaites-Gletscher in der Westantarktis eine kontinuierliche Beschleunigung der Eisbewegung zwischen 2014 und 2025. Die zunehmende Fließgeschwindigkeit führt zu einem stärkeren Eisabfluss in den Ozean und trägt damit zum Massenverlust des antarktischen Eisschildes sowie langfristig zum Meeresspiegelanstieg bei.

Karten der Fließgeschwindigkeiten polarer Eismassen, die von ENVEO aus Daten der Sentinel-1 Mission erstellt werden. (Grafik: APRI)

Auch für Grönland erstellt ENVEO flächendeckende Karten der Eisgeschwindigkeit. Für das aktuelle Datenset wurden rund 55.000 Sentinel-1-Aufnahmen ausgewertet. Dabei kombiniert das Unternehmen klassische Bildkorrelation mit Radarinterferometrie (InSAR), wodurch sowohl schnell fließende Auslassgletscher als auch die langsameren Bereiche des Inlandeises präzise erfasst werden können. Auf dieser Grundlage lässt sich der Eisexport einzelner Gletscher in den Ozean berechnen – ein entscheidender Parameter zur Bestimmung der Massenbilanz des grönländischen Eisschildes.

Die Arbeiten von ENVEO werden unter anderem von der ESA Climate Change Initiative, dem ESA Polar Science Cluster sowie dem Copernicus Climate Change Service (C3S) der Europäischen Union unterstützt. Seit 2025 leitet ENVEO innerhalb des C3S den Bereich der sogenannten „Essential Climate Variables“ für die Landkryosphäre. Parallel arbeitet das Unternehmen bereits an Verfahren für kommende Erdbeobachtungsmissionen wie Copernicus Sentinel-1 Next Generation und ROSE-L, die künftig noch genauere Beobachtungen der polaren Eisgebiete ermöglichen sollen.

Mit der Aufnahme von ENVEO gewinnt das APRI einen Partner, der modernste Satellitenfernerkundung mit angewandter Klimaforschung verbindet. Die kontinuierliche Überwachung der Dynamik von Grönland und der Antarktis liefert nicht nur wertvolle Daten für die Polarforschung, sondern verbessert auch das Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels auf den globalen Meeresspiegel und das Erdsystem insgesamt.

Heiner Kubny, PolarJournal