Datenautobahn unter dem Eis: Oden vermisst die Route

von Heiner Kubny
10/06/2026

Der schwedische Forschungseisbrecher Oden im Adventfjord vor Longyearbyen auf Spitzbergen. Das 1989 gebaute Schiff dient seit Jahrzehnten als Forschungsplattform für wissenschaftliche Expeditionen in der Arktis und Antarktis. (Foto: Bjoertvedt / Wikimedia Commons)

Mitten im Arktischen Ozean hat der schwedische Forschungseisbrecher Oden den Meeresboden für ein ungewöhnliches Infrastrukturprojekt vermessen. „Polar Connect“ soll langfristig eine Glasfaserverbindung zwischen Europa, Nordamerika und Ostasien durch die zentrale Arktis ermöglichen.

Die Expedition Polar Connect 2026 fand vom 24. Juli bis 10. August statt. Wie das Schwedische Polarforschungssekretariat berichtet, kartierte die Oden mögliche Kabelkorridore mit Mehrstrahl-Echolot und führte geophysikalische sowie ozeanografische Messungen durch. Besonders untersucht wurden schwierige Abschnitte am Gakkelrücken, wo unter anderem unterseeische Vulkane entdeckt und kartiert wurden.

Der schwedische Forschungseisbrecher Oden hat auf zahlreichen Expeditionen große Teile des arktischen Meeresbodens vermessen. Die gelben Linien zeigen seine Forschungs- und Messrouten zwischen 1991 und 2025, mit besonders dichten Vermessungen im zentralen Arktischen Ozean und nördlich von Grönland. (Karte: PolarJournal)

Ziel von Polar Connect ist eine sichere und leistungsfähige Datenverbindung quer durch den Arktischen Ozean. Die Route könnte eine Alternative zu bestehenden, stark genutzten Kabelwegen zwischen Europa und Asien schaffen. Gleichzeitig wird untersucht, ob das Glasfaserkabel künftig auch als Sensor für ozeanografische, klimatische und geophysikalische Beobachtungen dienen könnte.

Die technischen Herausforderungen sind erheblich. Neben der Beschaffenheit des Meeresbodens müssen die Planer berücksichtigen, wie ein Kabel unter permanentem Meereis verlegt, gewartet und im Schadensfall repariert werden kann. Fachleute für Kabeltechnik, Geologie, Eisnavigation und Schiffsoperationen arbeiteten deshalb während der Expedition gemeinsam an möglichen Lösungen.

Der schwedische Forschungseisbrecher Oden liegt im August 2025 am Meereis des Nordpols. Kurz zuvor hatte das Schiff am 16. August zum elften Mal den geografischen Nordpol erreicht. Auf dem Eis ist das große Herz des Bildungsprojekts „Float Your Boat“ zu erkennen. (Foto: Anton Sandström / Swedish Polar Research Secretariat)

Nach Abschluss von Polar Connect begann die Oden eine weitere schwedisch-kanadische Arktisexpedition. Am 3. September endeten die gemeinsamen Arbeiten mit der kanadischen CCGS Louis S. St-Laurent am Alpha Ridge. Die Oden setzt ihre Fahrt nun allein Richtung Longyearbyen fort.

Damit könnte der schwedische Eisbrecher Grundlagen für eine Infrastruktur liefern, die bislang noch Zukunftsmusik ist: eine digitale Datenautobahn quer durch den Arktischen Ozean.

Heiner Kubny, PolarJournal