Russland und Indien treiben arktischen Frachtkorridor voran

von Heiner Kubny
10/13/2026

Ein Containerschiff der russischen Reederei FESCO bahnt sich seinen Weg durch dichtes arktisches Meereis. FESCO setzt eisverstärkte Frachtschiffe für Transporte zu den Häfen entlang der Nördlichen Seeroute und zur Versorgung abgelegener Regionen der russischen Arktis ein. (Foto: FESCO)

Russland und Indien wollen ihre Zusammenarbeit auf der Nördlichen Seeroute deutlich verstärken. Bereits 2027 könnte erstmals ein gemeinsamer Pilottransport durch die russische Arktis stattfinden. Langfristig hält Moskau ein jährliches russisch-indisches Frachtvolumen von bis zu fünf Millionen Tonnen auf der Route für möglich.

Beide Länder bereiten derzeit ein Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit auf der Nördlichen Seeroute vor. Nach Angaben des russischen Vizepremiers Denis Manturow könnte das Memorandum noch 2026 unterzeichnet werden. Für das kommende Jahr ist anschließend eine erste gemeinsame Pilotfahrt geplant.

Die Karte zeigt die geplante Verbindung zwischen Indien und der russischen Arktis: Von Chennai führt der östliche Seekorridor über die Straße von Malakka nach Wladiwostok. Von dort verläuft die Nördliche Seeroute entlang der russischen Arktisküste durch die Beringstraße, die Ostsibirische See, die Laptewsee und die Karasee bis nach Murmansk. Beide Routen sollen künftig enger miteinander verknüpft werden. (Grafik: PolarJournal)

Indien würde damit neben China stärker in Russlands Pläne für den Ausbau des arktischen Schiffsverkehrs rücken. Für Neu-Delhi ist vor allem eine bessere maritime Verbindung mit Russland interessant. Bereits heute arbeiten beide Länder am östlichen Seekorridor zwischen Chennai und Wladiwostok. Eine Verbindung dieses Korridors mit der Nördlichen Seeroute könnte zusätzliche Transportmöglichkeiten zwischen Indien, dem russischen Fernen Osten und der Arktis schaffen.

Gleichzeitig nimmt der Verkehr auf der Nördlichen Seeroute insgesamt zu. Rosatom erwartet für 2026 einen erneuten Rekord und rund 14 Prozent mehr Fracht als im Vorjahr. 2025 wurden auf der Route 37,02 Millionen Tonnen transportiert. Besonders stark wächst bislang der Verkehr zwischen Russland und China.

Das eisgängige Frachtschiff „Zapolyarnyy“ der Arctic-Express-Flotte im Hamburger Hafen. Das 169 Meter lange Schiff wurde für den ganzjährigen Güter- und Containertransport in der russischen Arktis entwickelt und kann auch ohne Eisbrecherunterstützung durch eisbedeckte Gewässer fahren. (Foto: Wolfgang Fricke / Wikimedia Commons)

Indiens Einstieg könnte die internationale Nutzung der Route weiter verbreitern. Ob die angestrebten Mengen tatsächlich erreicht werden, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab. Russland benötigt zusätzliche eisgängige Frachtschiffe und Eisbrecher, während schwierige Eisbedingungen, hohe Betriebskosten und internationale Sanktionen den Ausbau weiterhin erschweren. Allein für die russischen Ausbaupläne werden nach Angaben der Schiffbauindustrie bis 2030 mindestens 60 zusätzliche Schiffe verschiedener Typen benötigt.

Die geplante Pilotfahrt 2027 dürfte deshalb zeigen, ob aus der politischen und wirtschaftlichen Annäherung tatsächlich ein regelmäßiger russisch-indischer Frachtverkehr durch die Arktis entstehen kann.

Heiner Kubny, PolarJournal