Viele abgelegene Gemeinden in Alaska haben kaum oder gar keinen regelmäßigen Zugang zu tierärztlicher Versorgung. Jüngste Initiativen sollen die Versorgung direkt in die Gemeinden bringen.
Für viele Menschen im ländlichen Alaska ist es nicht so einfach, mit einem Haustier zum Tierarzt zu gehen wie in einer Stadt. Große Teile des Bundesstaates liegen außerhalb des Straßennetzes, und viele kleine Gemeinden sind nur per Flugzeug, Boot oder Schneemobil erreichbar.
Die Reise mit einem Tier in eine größere Gemeinde kann daher schwierig und teuer sein. Gleichzeitig erfordert es viel Zeit und Ressourcen, Tierärzte in die Dörfer zu bringen.
Ein langjähriges Problem
Der Mangel ist nicht neu. Frühere Berichte zeigten, dass die tierärztliche Versorgung im ländlichen Alaska häufig nur sporadisch verfügbar war. Viele Dörfer waren auf gemeinnützige Veterinärteams angewiesen, die möglicherweise nur ein- oder zweimal im Jahr kamen.
Die Bedeutung der tierärztlichen Versorgung geht zudem über die Versorgung von Haustieren hinaus. Hunde haben tiefe Wurzeln im ländlichen Alaska, und Arbeits- und Schlittenhunde spielen in einigen Gemeinden weiterhin eine Rolle im Alltag und in der Kultur.
Der eingeschränkte Zugang zu tierärztlicher Versorgung kann Folgen für Menschen und Tiere haben. Tollwut ist in Teilen Nord- und Westalaskas endemisch und kann von infizierten Wildtieren, insbesondere Füchsen, auf Hunde und möglicherweise auch auf Menschen übertragen werden. Auch andere von Tieren übertragene Krankheiten und Parasiten können ein Problem für die öffentliche Gesundheit darstellen.
Die Hunde selbst müssen außerdem vor Krankheiten wie Parvovirose und Staupe geschützt werden. Regelmäßige Kastrationen können helfen, Hundepopulationen zu kontrollieren. Freilaufende und streunende Hunde sind in Teilen des ländlichen Alaska seit Langem ein Problem und sorgen unter anderem wegen Hundebissen, Krankheiten und der Sicherheit in den Gemeinden für Besorgnis.
Verschiedene Initiativen versuchen bereits, diese Versorgungslücke zu schließen. Seit 2019 bietet ein Programm der University of Alaska Fairbanks und der Colorado State University präventive tierärztliche Versorgung im Yukon-Kuskokwim-Delta an. Auch gemeinnützige Organisationen organisieren tierärztliche Besuche in abgelegenen Gemeinden.
Weitere Unterstützung auf dem Weg
In diesem Sommer haben die Alaska Federation of Natives und die gemeinnützige Organisation Alaska Native Rural Veterinary ein auf zwei Jahre angelegtes Programm gestartet, das rund 80 indigene Gemeinden erreichen soll.
Das Programm schickt Veterinärteams direkt in die teilnehmenden Gemeinden. Zu den Leistungen gehören Impfungen, Vorsorge, Kastrationen sowie die Überwachung von Krankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Zudem sollen die Hindernisse untersucht werden, die den Zugang zu tierärztlicher Versorgung erschweren.
Im September kündigte die University of Alaska Fairbanks außerdem neue finanzielle Unterstützung für Veterinärmedizinstudierende an, die an Einsätzen im ländlichen Alaska teilnehmen. Die Studierenden arbeiten dabei an der Seite zugelassener Tierärzte, sammeln praktische Erfahrungen und helfen gleichzeitig bei der Versorgung von Gemeinden mit begrenztem Zugang zu tierärztlichen Leistungen.
Auch auf Bundesebene gibt es Bemühungen. Ein Gesetzesvorschlag zielt darauf ab, veterinärmedizinische Leistungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in indigenen Gemeinden auszuweiten.
Für das ländliche Alaska geht es beim Zugang zu tierärztlicher Versorgung daher um mehr als Tierwohl. Es geht auch um die Gesundheit und Sicherheit der Menschen. Die jüngsten Initiativen könnten dazu beitragen, die Versorgung in abgelegenen Gemeinden regelmäßiger verfügbar zu machen.
Polar Journal AG Team