Russland verstärkt seine arktische LNG-Flotte

von Heiner Kubny
10/19/2026

Der 295 Meter lange LNG-Tanker «North Moon» auf See. Das 2024 in Südkorea gebaute Schiff gehört zur Eisklasse Arc4 und kann rund 174’000 Kubikmeter Flüssigerdgas transportieren. Im Oktober 2026 wurde es in «Melicertes» umbenannt. (Illustration: PolarJournal)

Russland baut seine Transportkapazitäten für Flüssigerdgas in der Arktis weiter aus. Der Energiekonzern Novatek hat offenbar mindestens zwei eisgängige LNG-Tanker übernommen. Die zusätzlichen Schiffe könnten helfen, bestehende Transportengpässe zu verringern und russische Erdgasprojekte im hohen Norden zu unterstützen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am 14. Oktober 2026 unter Berufung auf internationale Schiffsregister berichtete, ist die Novatek-Tochter Gas & Power Asia inzwischen als kommerzieller Betreiber der LNG-Tanker «North Ocean» und «North Moon» eingetragen. Die in Südkorea gebauten Schiffe wurden zuvor von der japanischen Reederei Mitsui O.S.K. Lines (MOL) betrieben.

Der LNG-Tanker «North Ocean» bei der Fahrt durch arktische Gewässer mit Treibeis. Das rund 295 Meter lange Schiff wurde im Oktober 2026 in «Neleus» umbenannt und wird inzwischen von einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Novatek kommerziell betrieben. (Illustration: PolarJournal)

Beide Tanker können jeweils rund 174’000 Kubikmeter Flüssigerdgas transportieren. Sie gehören zur Eisklasse Arc4 und sind damit für Fahrten unter begrenzten Eisbedingungen ausgelegt. Für den ganzjährigen Einsatz in den schwierigen Eisverhältnissen der russischen Hocharktis werden dagegen leistungsfähigere Schiffe der Eisklasse Arc7 benötigt. Nach Angaben russischer Fachmedien tragen die beiden Tanker inzwischen die Namen «Neleus» und «Melicertes».

Hintergrund sind die westlichen Sanktionen gegen Russland. Besonders das Flüssigerdgasprojekt Arctic LNG 2 auf der Gydan-Halbinsel ist von einem Mangel an geeigneten Spezialschiffen betroffen. Zusätzliche Tanker könnten die Exportmöglichkeiten verbessern, auch wenn sie nicht für schweres arktisches Packeis ausgelegt sind.

Künstlerische Darstellung eines arktischen Flüssigerdgasterminals nach dem Vorbild des Projekts Arctic LNG 2 auf der russischen Gydan-Halbinsel. Zwei LNG-Tanker liegen an den Verladeanlagen, während sich im Hintergrund die Produktionsanlagen erstrecken. Das Erdgas wird für den Schiffstransport auf etwa minus 162 Grad Celsius abgekühlt. (Illustration: PolarJournal)

Laut Reuters waren die beiden Schiffe Mitte Oktober auf der Nördlichen Seeroute unterwegs. Ob sie künftig tatsächlich für russische LNG-Exporte eingesetzt werden, bleibt offen. Weder Novatek noch MOL bestätigten die Übernahme gegenüber der Nachrichtenagentur.

Die Entwicklung zeigt, dass Russland trotz internationaler Sanktionen versucht, seine arktischen Energieexporte auszubauen. Die Verfügbarkeit leistungsfähiger eisgängiger LNG-Tanker bleibt dabei eine der grössten Herausforderungen.

Heiner Kubny, PolarJournal