Der Klimawandel könnte die Zahl pflanzenschädigender Pilze in der Antarktis bis zum Ende des Jahrhunderts nahezu verdoppeln. Das zeigt eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Global Change Biology veröffentlicht wurde. Die Forschenden warnen, dass damit eine ernsthafte Gefahr für die empfindlichen Pflanzenökosysteme des Kontinents entsteht. Gleichzeitig macht die Untersuchung deutlich, dass eine konsequente Reduktion der Treibhausgasemissionen die schlimmsten Auswirkungen deutlich abschwächen könnte.
Derzeit sind nur etwa 0,4 Prozent der Antarktis dauerhaft schnee- und eisfrei. Auf diesen kleinen Flächen wachsen zwei Blütenpflanzenarten sowie Moose, Flechten und Lebermoose. Mit steigenden Temperaturen werden immer mehr Böden freigelegt, sodass sich die Vegetation in neue Gebiete ausbreiten könnte. Gleichzeitig nehmen jedoch auch krankheitserregende Pilze zu, die Pflanzen befallen und ihr Wachstum hemmen können.
Für die Studie analysierte ein Forschungsteam des British Antarctic Survey mehr als 50 Bodenproben entlang eines 1.900 Kilometer langen Transektes (Untersuchungsstrecke), von Südchile bis zur Antarktischen Halbinsel. Mithilfe moderner DNA-Analysen konnten die Wissenschaftler die in den Böden lebenden Pilzgemeinschaften identifizieren und deren Entwicklung unter verschiedenen Klimaszenarien bis zum Jahr 2100 berechnen.
Die Ergebnisse zeigen, dass bei hohen Emissionen die durchschnittlichen Temperaturen in Chile und der Antarktis in den nächsten Jahrzehnten um vier bis fünf Grad Celsius steigen könnten. In diesem Fall würde sich die Vielfalt und Häufigkeit pflanzenschädigender Pilze in der südlichen maritimen Antarktis nahezu verdoppeln. In einem Szenario mit geringen Emissionen wären die Veränderungen dagegen kaum messbar.
Studienleiter Kevin Newsham betont, dass sich Pflanzen zwar auf neu eisfreien Flächen ausbreiten könnten, ihr Wachstum jedoch durch die zunehmende Zahl von Krankheitserregern eingeschränkt werden könnte. Zusätzliche Risiken entstehen durch eingeschleppte Pilze, die durch Forschung, Tourismus oder Wind in die Antarktis gelangen.
Die Studie zeigt, dass der Klimawandel nicht nur das Eis der Antarktis schmelzen lässt, sondern auch das empfindliche ökologische Gleichgewicht der Böden verändert. Wie stark die einzigartige Pflanzenwelt des Kontinents betroffen sein wird, hängt entscheidend davon ab, wie erfolgreich die Weltgemeinschaft die globale Erwärmung begrenzt.
Heiner Kubny, PolarJournal