Der Südliche Ozean und die Antarktis verändern sich rasant, doch viele Prozesse und ihre Auswirkungen auf das globale Klima sind noch immer unzureichend verstanden. Ein neues internationales Forschungsprojekt soll diese Wissenslücken schließen. Unter der Leitung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) arbeiten im Projekt SYNCHRONY insgesamt 27 Forschungseinrichtungen aus Europa und darüber hinaus zusammen, darunter auch der British Antarctic Survey (BAS).
Das vierjährige Vorhaben startete am 1. August 2026 und wird von der Europäischen Union mit rund 8,5 Millionen Euro gefördert. Ziel ist es, bestehende Beobachtungsnetze auszubauen, Messdaten aus verschiedenen Programmen zusammenzuführen und ein einheitliches Bild der Veränderungen in Klima, Ozean und Ökosystemen der Antarktis zu schaffen.
Die Dringlichkeit ist groß: Das antarktische Meereis erreicht seit einigen Jahren Rekordtiefstände, Teile des westantarktischen Eisschildes verlieren zunehmend Eis und die Bildung von Tiefenwasser – ein entscheidender Motor der globalen Meeresströmungen – scheint sich zu verlangsamen. Welche Folgen diese Entwicklungen langfristig für den Meeresspiegel und das Weltklima haben, lässt sich bislang nur eingeschränkt vorhersagen.
„Die Antarktis und der Südliche Ozean spielen eine entscheidende Rolle für unser Klima, stehen aber unter einem beispiellosen Umweltwandel“, sagt BAS-Meeresökologin Dr. Nadine Johnston. Durch die enge internationale Zusammenarbeit und standardisierte Langzeitbeobachtungen soll SYNCHRONY die Grundlage für deutlich zuverlässigere Klimavorhersagen schaffen.
Das Projekt ist zugleich ein wichtiger Baustein für die UN-Initiative Antarctica InSync, die zwischen 2027 und 2029 eines der größten wissenschaftlichen Beobachtungsnetzwerke in der Antarktis aufbauen will. Zudem dient es als Vorbereitung auf das 5. Internationale Polarjahr 2032/33. Das AWI koordiniert das Gesamtprojekt und bringt unter anderem mehrere Expeditionen mit dem Forschungsschiff «Polarstern», autonome Messsysteme sowie das Langzeitobservatorium HAFOS im Weddellmeer ein.
Heiner Kubny, PolarJournal