Australien will seine Forschung in der Antarktis und im Südlichen Ozean in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. Vier große Kampagnen sollen Eis, Meereis, Krill und marine Ökosysteme untersuchen. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei der Forschungseisbrecher RSV Nuyina.
Die Pläne stellte Dr. Patricia Miloslavich, Leiterin des Antarctic Monitoring Program der Australian Antarctic Division (AAD), auf der Australian Antarctic Research Conference in Hobart vor. Rund 400 Forschende aus aller Welt nahmen an der Tagung teil.
Auf dem antarktischen Kontinent wird das Million Year Ice Core Project fortgesetzt. Ziel ist es, tief im ostantarktischen Eisschild Eis zu gewinnen, das mindestens eine Million Jahre Klimageschichte bewahrt. Dazu kommen wissenschaftliche Arbeiten entlang der Traverse von der Casey-Station zum Bohrgebiet im Inneren des Kontinents.
Krill und Meereis im Mittelpunkt
In der Saison 2027/28 folgt die Kampagne KaKE – Krill and Krill Ecosystems. Sie soll den Zustand des krillbasierten Ökosystems in der Mawson-Region untersuchen. Antarktischer Krill bildet eine zentrale Nahrungsgrundlage für Wale, Robben, Pinguine und zahlreiche Seevögel.
Besonders ungewöhnlich wird die Marginal Ice Zone Expedition 2028/29. Die Forschenden wollen die Randzone des antarktischen Meereises im September untersuchen – zur Zeit der jährlichen maximalen Eisausdehnung. Aus dieser Jahreszeit existieren bislang vergleichsweise wenige direkte Beobachtungen.
Für 2029/30 ist schließlich die ECCO-Expedition – East Antarctic Ecosystems-CCAMLR, Climate and Ocean vorgesehen. Sie baut auf KaKE auf und soll Daten über Krill, Biodiversität, Ozean und Klima liefern. Die Ergebnisse sollen unter anderem die wissenschaftlichen Grundlagen für mögliche Meeresschutzgebiete in der Ostantarktis verbessern.
Die neuen Kampagnen sind Teil der australischen Forschungsstrategie und zugleich in das internationale Programm Antarctica InSync eingebunden, das 2027/28 und 2028/29 Beobachtungen von Eis, Ozean, Atmosphäre, Klima und Ökosystemen international koordinieren will.
Wie wichtig langfristige Forschungsschifffahrt dabei ist, zeigen Zahlen der AAD: Australische, französische und CSIRO-Forschungsschiffe absolvierten zwischen 1990 und 2026 insgesamt 379 Reisen, legten fast 2,5 Millionen Kilometer zurück und sammelten rund 137 Millionen Messungen.
Heiner Kubny, PolarJournal