Forscher fordern mehr Schutz für Deception Islands Strände

von Rosamaria Kubny
09/29/2026

Eine neue Studie zeigt, dass die Strände von Deception Island überraschend unterschiedliche Lebensgemeinschaften beherbergen.
Deception Island aus dem All: Die Sentinel-2-Aufnahme vom 17. März 2023 zeigt eindrucksvoll die nahezu kreisförmige, vom Meer überflutete Caldera des aktiven Vulkans. Die dunklen, weitgehend eisfreien Flächen lassen den vulkanischen Ursprung der Insel deutlich erkennen, während vor allem der Osten und Süden noch von Schnee und Eis bedeckt sind. (Bild: ESA, Copernicus Sentinel-2)

Die Strände von Deception Island beherbergen überraschend unterschiedliche Lebensgemeinschaften. Eine neue Studie zeigt, dass der Schutz einzelner besonders artenreicher Gebiete nicht ausreicht, die Forschenden empfehlen mehrere räumlich getrennte Schutzbereiche.

Deception Island auf den Südlichen Shetlandinseln ist für ihre vulkanische Landschaft und geothermisch erwärmten Küsten bekannt. Über die Tierwelt in den Gezeitenzonen ihrer Strände ist bislang jedoch vergleichsweise wenig bekannt.

Dampf steigt aus dem geothermisch erwärmten schwarzen Vulkanstrand von Deception Island auf. Die vulkanische Aktivität ist an mehreren Stellen der Insel unmittelbar sichtbar und prägt die außergewöhnliche Landschaft innerhalb der überfluteten Caldera. (Foto: Heiner Kubny)

Ein Team um Triana Revanales, Mariano Lastra und Iván Franco Rodil untersuchte deshalb sieben Strände innerhalb von Port Foster während fünf antarktischer Sommer. Die Ergebnisse wurden am 17. September 2026 im Fachjournal Biodiversity and Conservation veröffentlicht.

Die Forschenden stellten deutliche Unterschiede zwischen den Lebensgemeinschaften der einzelnen Strände fest. Entscheidend ist damit nicht allein, welcher Standort besonders viele Arten beherbergt. Verschiedene Strände tragen jeweils auf unterschiedliche Weise zur gesamten biologischen Vielfalt der Insel bei.

Bislang sind diese sedimentreichen Gezeitenbereiche in den bestehenden besonders geschützten Gebieten von Deception Island kaum berücksichtigt. Die Autoren empfehlen deshalb, mehrere räumlich getrennte Küstenabschnitte unter Schutz zu stellen.

Eselspinguine trotzen auf Deception Island einem heftigen Schneesturm. Wind und Schnee gehören selbst während des antarktischen Sommers zu den rauen Bedingungen auf der Vulkaninsel. (Foto: Heiner Kubny)

Zusätzliche Bedeutung erhält dies durch den intensiven Antarktistourismus. Orte wie Whalers Bay, Pendulum Cove und Telefon Bay werden regelmässig besucht. Betreten der Strände, Schiffsverkehr, Ankern und das Graben von Löchern für geothermale Bäder können die empfindlichen Lebensräume belasten. Hinzu kommt das Risiko, gebietsfremde Arten über Kleidung oder Ausrüstung einzuschleppen.

Die Forschenden schlagen deshalb neben zusätzlichen Schutzflächen auch festgelegte Besucherbereiche, klar definierte Laufwege und strengere Biosecurity-Massnahmen vor. Die unscheinbaren vulkanischen Strände von Deception Island könnten damit ökologisch wesentlich bedeutender sein als bislang angenommen.

Rosamaria, PolarJournal