Unter dem Meeresboden der Bransfieldstraße liegen mehrere aktive Vulkansysteme. Eine neue Studie zeigt nun anhand geochemischer Fingerabdrücke, woher ihr Magma stammt und welche Prozesse sich tief unter dem Meeresboden abspielen.
Ein internationales Forschungsteam um Antonio Polo-Sánchez von der Universität Salamanca untersuchte Vulkangestein von Edifice C, Three Sisters, Orca und Gebra Seamount. Die Ergebnisse wurden am 18. September 2026 in Scientific Reports veröffentlicht.
Die Bransfieldstraße zwischen der Antarktischen Halbinsel und den Südlichen Shetlandinseln ist eine der geologisch aktivsten Regionen der Antarktis. Dort wird die Erdkruste auseinandergezogen, während gleichzeitig die Folgen einer früheren Subduktionszone das Magmasystem beeinflussen.
Die Forschenden analysierten Sauerstoff- und Wasserstoffisotope sowie die Edelgase Helium, Neon und Argon in vulkanischem Gestein, Glas und Mineralen. Diese chemischen Fingerabdrücke erlauben Rückschlüsse auf die Herkunft des Magmas und auf Veränderungen während seines Aufstiegs durch die Erdkruste. Die Ergebnisse zeigen, dass die Magmaquelle noch immer deutlich vom früheren Abtauchen der Phoenix-Platte geprägt ist. Auch Fluide und Sedimentbestandteile, die einst in den Erdmantel transportiert wurden, hinterließen messbare Spuren.
Besonders interessant ist der Orca Seamount. In seiner Umgebung begann 2020 ein außergewöhnlicher Erdbebenschwarm, bei dem innerhalb weniger Monate rund 85’000 Beben registriert wurden. Frühere Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass damals große Mengen Magma in die Erdkruste eindrangen und den Meeresboden verformten. Eine tatsächliche Unterwassereruption konnte jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden.
Die neuen Daten helfen nun, die unterirdischen Verbindungen zwischen Mantel, Magmareservoiren und den Vulkanen der Bransfieldstraße besser zu verstehen. Damit liefern sie ein genaueres Bild eines bis heute aktiven vulkanischen Systems unmittelbar vor der Antarktischen Halbinsel.
Heiner Kubny, PolarJournal