Eine überraschende Entdeckung verändert das Bild vom Leben des Antarktischen Krills. Forschende haben fortpflanzungsaktive Weibchen in mehr als 1000 Metern Tiefe an hydrothermalen Quellen gefunden. Dort nutzen die Tiere offenbar eine ungewöhnliche Nahrungsquelle.
Antarktischer Krill (Euphausia superba) gehört zu den wichtigsten Arten des Südlichen Ozeans. Wale, Pinguine, Robben und zahlreiche Fische sind von den kleinen Krebstieren abhängig. Bisher konzentrierte sich die Forschung vor allem auf die oberen Wasserschichten.
Ein internationales Forschungsteam um Kim Bernard von der Oregon State University entdeckte nun an der Hook Ridge in der Bransfieldstraße zwischen der Antarktischen Halbinsel und den Südlichen Shetlandinseln Krill in rund 1100 Metern Tiefe. Mit dem Tauchroboter SuBastian wurden vier Tiere geborgen, ausschließlich geschlechtsreife, bereits begattete Weibchen.
Auch an der Quest Caldera im Scotia-Bogen zeigten Unterwasseraufnahmen größere Krillansammlungen an hydrothermalen Quellen. Untersuchungen von Darmmikrobiom, Isotopen und Spurenelementen deuten darauf hin, dass die Tiere dort chemosynthetische Mikroorganismen fressen. Diese beziehen ihre Energie aus chemischen Verbindungen der Tiefseequellen und benötigen kein Sonnenlicht.
Warum gerade fortpflanzungsaktive Weibchen diese Lebensräume aufsuchen, ist noch unklar. Die Forschenden vermuten, dass die hydrothermalen Quellen eine verlässliche Nahrungsquelle und möglicherweise wichtige Spurenelemente für die Fortpflanzung bieten.
Die Entdeckung könnte auch für den Schutz des Antarktischen Krills von Bedeutung sein. Sollten hydrothermale Quellen regelmäßig von Weibchen während der Fortpflanzung genutzt werden, wären diese bislang kaum beachteten Tiefseegebiete wichtige Lebensräume.
Die Ergebnisse veröffentlichte das Team um Kim S. Bernard von der Oregon State University am 15. September 2026 in der Fachzeitschrift Communications Biology unter dem Titel „Deep Sea hydrothermal vent habitats support gravid Antarctic krill“.
Heiner Kubny, PolarJournal