Krillweibchen versammeln sich an hydrothermalen Quellen

von Heiner Kubny
09/30/2026

Antarktischer Krill (Euphausia superba) in seiner natürlichen Schwebehaltung. Deutlich erkennbar sind der durchscheinende Körper und die für die Biolumineszenz verantwortlichen roten Organe. Eine neue Studie zeigt, dass fortpflanzungsaktive Weibchen auch hydrothermale Quellen in mehr als 1000 Metern Tiefe aufsuchen. (Foto: Uwe Kils / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Eine überraschende Entdeckung verändert das Bild vom Leben des Antarktischen Krills. Forschende haben fortpflanzungsaktive Weibchen in mehr als 1000 Metern Tiefe an hydrothermalen Quellen gefunden. Dort nutzen die Tiere offenbar eine ungewöhnliche Nahrungsquelle.

Antarktischer Krill (Euphausia superba) gehört zu den wichtigsten Arten des Südlichen Ozeans. Wale, Pinguine, Robben und zahlreiche Fische sind von den kleinen Krebstieren abhängig. Bisher konzentrierte sich die Forschung vor allem auf die oberen Wasserschichten.

Ein dichter Schwarm fortpflanzungsaktiver weiblicher Antarktischer Krill (Euphausia superba) um einen hydrothermalen Schlot der Quest Caldera im Scotia Arc. Die Aufnahme entstand mit dem Tauchroboter SuBastian während Dive S0804 im März 2025. Die Beobachtungen zeigen erstmals, dass Krill-Weibchen hydrothermale Lebensräume in der Tiefsee nutzen. (Foto: ROV SuBastian / Schmidt Ocean Institute)

Ein internationales Forschungsteam um Kim Bernard von der Oregon State University entdeckte nun an der Hook Ridge in der Bransfieldstraße zwischen der Antarktischen Halbinsel und den Südlichen Shetlandinseln Krill in rund 1100 Metern Tiefe. Mit dem Tauchroboter SuBastian wurden vier Tiere geborgen, ausschließlich geschlechtsreife, bereits begattete Weibchen.

Auch an der Quest Caldera im Scotia-Bogen zeigten Unterwasseraufnahmen größere Krillansammlungen an hydrothermalen Quellen. Untersuchungen von Darmmikrobiom, Isotopen und Spurenelementen deuten darauf hin, dass die Tiere dort chemosynthetische Mikroorganismen fressen. Diese beziehen ihre Energie aus chemischen Verbindungen der Tiefseequellen und benötigen kein Sonnenlicht.

Warum gerade fortpflanzungsaktive Weibchen diese Lebensräume aufsuchen, ist noch unklar. Die Forschenden vermuten, dass die hydrothermalen Quellen eine verlässliche Nahrungsquelle und möglicherweise wichtige Spurenelemente für die Fortpflanzung bieten.

Ein Antarktischer Krill (Euphausia superba) auf einer Fingerspitze verdeutlicht die geringe Größe der Schlüsselart des Südlichen Ozeans. Trotz ihrer wenigen Zentimeter Körperlänge bilden die Krebstiere eine zentrale Nahrungsgrundlage für Wale, Robben, Pinguine und zahlreiche Fischarten. (Foto: Sophie Webb / NOAA, Public Domain)

Die Entdeckung könnte auch für den Schutz des Antarktischen Krills von Bedeutung sein. Sollten hydrothermale Quellen regelmäßig von Weibchen während der Fortpflanzung genutzt werden, wären diese bislang kaum beachteten Tiefseegebiete wichtige Lebensräume.

Die Ergebnisse veröffentlichte das Team um Kim S. Bernard von der Oregon State University am 15. September 2026 in der Fachzeitschrift Communications Biology unter dem Titel „Deep Sea hydrothermal vent habitats support gravid Antarctic krill“.

Heiner Kubny, PolarJournal