22.000 Kilometer ohne Besatzung rund um die Antarktis

von Heiner Kubny
10/15/2026

Der autonome Saildrone Explorer SD-1092 vor der Küste Tasmaniens. Der rund sieben Meter lange, mit Wind- und Solarenergie betriebene Forschungssegler ist zu einer etwa 22.000 Kilometer langen Umrundung der Antarktis aufgebrochen und misst dabei unter anderem den Austausch von Kohlendioxid zwischen Atmosphäre und Südlichem Ozean. (Foto: CSIRO)

Ein nur sieben Meter langer autonomer Segler ist von Hobart zu einer monatelangen Reise rund um die Antarktis aufgebrochen. Der Saildrone soll rund 22.000 Kilometer durch den Südlichen Ozean zurücklegen und dabei eine der wichtigsten Fragen der Klimaforschung untersuchen: Wie viel Kohlendioxid nimmt das Meer tatsächlich aus der Atmosphäre auf?

Der Saildrone Explorer SD-1092 wurde am 20. September 2026 vor Tasmanien ausgesetzt. Angetrieben wird das unbemannte Fahrzeug durch Wind, während Solarpaneele die wissenschaftlichen Instrumente mit Energie versorgen. Rund 200 Tage soll es auf See bleiben und dabei die Antarktis umrunden.

Der Saildrone Explorer SD-1092 ist mit zahlreichen Sensoren ausgestattet. Während seiner Reise durch den Südlichen Ozean erfasst er unter anderem CO₂, Luft- und Wassertemperatur, Salzgehalt, Chlorophyll, Luftdruck, Wind und Wellen. Die Messdaten werden über Satellit übertragen, während Wind und Sonnenenergie den autonomen Betrieb ermöglichen. (Grafik: Saildrone / NOAA)

Die Mission ist Teil des fünfjährigen internationalen Forschungsprojekts COCO2 – Constraining Ocean Carbon with Optimized Observing. Alle drei Monate soll ein weiterer Saildrone starten, bis vier Fahrzeuge gleichzeitig im Südlichen Ozean unterwegs sind. Beteiligt sind unter anderem CSIRO, NOAA, Columbia University sowie weitere Forschungsinstitutionen aus den USA, Australien und Südafrika.

Im Mittelpunkt steht die Rolle des Südlichen Ozeans als gewaltiger Kohlenstoffspeicher. Die Weltmeere nehmen etwa ein Drittel des Kohlendioxids auf, das jährlich aus der Atmosphäre gebunden wird. Rund 40 Prozent der globalen ozeanischen CO₂-Aufnahme entfallen nach Angaben von CSIRO auf den Südlichen Ozean. Gerade dort fehlen jedoch während des antarktischen Winters noch viele Messdaten.

Der Saildrone Explorer SD-1092 wird im Hafen von Hobart für seinen Einsatz im Südlichen Ozean vorbereitet. Der autonome Forschungssegler soll während seiner rund 22.000 Kilometer langen Reise um die Antarktis kontinuierlich Klima- und Ozeandaten sammeln. (Foto: Fraser Johnston / CSIRO)

Der Saildrone misst deshalb kontinuierlich unter anderem CO₂ in Luft und Meerwasser, Wassertemperatur, Salzgehalt, Sauerstoff, Wind, Luftdruck und Lufttemperatur. Die Daten werden nahezu in Echtzeit über Satellit übertragen. Anders als Forschungsschiffe kann das autonome Fahrzeug monatelang in abgelegenen und besonders stürmischen Regionen arbeiten.

Dass die Technik solche Bedingungen überstehen kann, wurde bereits 2019 demonstriert: Damals umrundete ein Saildrone die Antarktis in 196 Tagen. Bei der neuen Mission geht es jedoch nicht um eine einzelne Rekordfahrt. Über fünf Jahre soll ein möglichst lückenloses Bild davon entstehen, wie sich die CO₂-Aufnahme des Südlichen Ozeans räumlich und jahreszeitlich verändert. Die Ergebnisse sollen auch in den jährlich veröffentlichten Global Carbon Budget einfließen.

Die geplante Route der COCO2-Mission führt den autonomen Saildrone von Hobart in Tasmanien einmal rund um die Antarktis und anschließend zurück nach Hobart. Auf der rund 22.000 Kilometer langen Fahrt soll das Forschungsfahrzeug kontinuierlich den Austausch von Kohlendioxid zwischen Atmosphäre und Südlichem Ozean sowie zahlreiche weitere Meeres- und Wetterdaten erfassen. (Grafik: Saildrone)

Damit könnte die kleine orangefarbene Forschungsplattform Daten aus Regionen liefern, die selbst moderne Forschungsschiffe nur selten erreichen und helfen, eine entscheidende Unsicherheit bei der zukünftigen Entwicklung des globalen Kohlenstoffkreislaufs zu verringern.

Link zur Website: CSIRO

Heiner Kubny, PolarJournal