Der Klimawandel verändert biologische Zeitpläne in der Antarktis – besonders deutlich auf der Antarktischen Halbinsel, einer der sich am schnellsten erwärmenden Regionen der Erde. Auch Pinguine reagieren auf diese Veränderungen: Mehrere Arten beginnen ihre Brut heute spürbar früher als noch vor rund zehn Jahren. Doch diese Anpassung wirkt sich nicht für alle gleich aus. Während einige Arten davon profitieren könnten, geraten andere zunehmend unter ökologischen Druck.
Früherer Brutbeginn – belegt durch Langzeitstudie
Eine aktuelle Langzeitstudie, die im Januar 2026 im Journal of Animal Ecology veröffentlicht wurde, dokumentiert diese Entwicklung erstmals auf landschaftsweiter Skala. Unter Leitung von Ignacio Juarez Martínez analysierte ein internationales Forschungsteam den Brutbeginn von Adélie-, Zügel- und Eselspinguinen an 37 Kolonien entlang der Antarktischen Halbinsel und auf subantarktischen Inseln.
Die Daten stammen aus einem Netzwerk von 77 automatisierten Zeitrafferkameras, das über mehr als ein Jahrzehnt (2012–2022) betrieben wurde, unter anderem im Rahmen des Citizen-Science-Projekts Penguin Watch. Untersucht wurde dabei der Beginn der stabilen Besiedlung von Brutplätzen – ein etablierter Indikator für den Start der Brutsaison.
Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Vorverlegung des Brutbeginns bei allen drei Arten: beim Eselspinguin im Mittel um rund 13 Tage pro Jahrzehnt, beim Adélie- und Zügelpinguin um jeweils etwa zehn Tage. Nach Einschätzung der Autoren zählt diese Veränderung zu den schnellsten bislang dokumentierten phänologischen Reaktionen bei Wirbeltieren.
Die Profiteure: flexible Arten mit grösserem Spielraum
Besonders ausgeprägt ist die Verschiebung beim Eselspinguin. Die Studie beschreibt ihn als ökologisch vergleichsweise flexibel: Er nutzt ein breiteres Nahrungsspektrum als andere Arten und ist weniger stark an Meereis gebunden. Diese Eigenschaften könnten ihm in einem sich erwärmenden und zunehmend eisfreien Küstenraum Vorteile verschaffen.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass sich mit dem früheren Brutbeginn auch die zeitliche Konkurrenz um Nistplätze verschiebt. Arten, die früher im Jahr präsent sind und sich schneller an wechselnde Bedingungen anpassen können, könnten sich in diesem veränderten Umfeld besser behaupten.
Die Verlierer: spezialisierte Arten unter wachsendem Risiko
Auch Adélie- und Zügelpinguine beginnen heute früher zu brüten. Gleichzeitig gelten sie jedoch als stärker spezialisiert. Beide Arten sind in hohem Masse auf Krill als Nahrungsquelle angewiesen und reagieren empfindlicher auf Veränderungen von Meereis und marinen Produktionszyklen.
Die Studie macht deutlich, dass ein früherer Brutbeginn das Risiko zeitlicher Fehlanpassungen erhöhen kann: Wenn Küken schlüpfen, bevor Krill in ausreichender Menge verfügbar ist, kann dies ihre Überlebenschancen beeinträchtigen. Zudem könnte die abnehmende zeitliche Trennung zwischen den Arten den Konkurrenzdruck um Nahrung und Raum verstärken.
Anpassung ist nicht automatisch ein Vorteil
Die Autoren betonen, dass der frühere Brutbeginn nicht pauschal als Erfolgsgeschichte zu verstehen ist. Vielmehr verschiebt sich das ökologische Gleichgewicht innerhalb der Pinguingemeinschaften. Arten mit grösserer Flexibilität könnten profitieren, während spezialisierte Arten stärker unter Druck geraten.
Ob eine Art zu den Gewinnern oder Verlierern zählt, hängt daher weniger von der blossen Fähigkeit zur Anpassung ab als von ihrer ökologischen Ausgangsposition.
Ein Warnsignal über die Pinguine hinaus
Die veränderten Brutzeiten der Pinguine stehen stellvertretend für einen umfassenderen ökologischen Wandel in der Antarktis. Wenn sich zentrale Lebenszyklen verschieben, kann dies langfristig die Struktur ganzer Lebensgemeinschaften verändern.
Die Studie liefert damit nicht nur neue Einblicke in die Anpassungsfähigkeit von Pinguinen, sondern auch ein deutliches Warnsignal: Der Klimawandel wirkt selektiv – und schafft selbst innerhalb eng verwandter Arten neue Gewinner und Verlierer.
Marcel Schütz, PolarJournal