Das Chilenische Antarktisinstitut (INACH) hat erfolgreich eine neue Mission mit einem autonomen Unterwassergleiter (AUV) in der Magellanstraße abgeschlossen. Sie gilt als wichtiger Vorbereitungsschritt für die 63. Chilenische Antarktisexpedition (ECA 63). Im Dezember soll das ozeanografische Instrument erstmals von einem chilenischen Team in der Fildes-Bucht eingesetzt werden, ein Meilenstein für die chilenische Antarktisforschung.
Die Testkampagne fand vom 10. bis 12. Juli 2026 zwischen Punta Arenas und Porvenir statt. Der Unterwassergleiter legte rund 37 Kilometer zurück und zeichnete kontinuierlich Temperatur, Salzgehalt, gelösten Sauerstoff, Fluoreszenz, Trübung sowie Strömungsgeschwindigkeit mit einem akustischen Doppler-Strömungsprofiler (ADCP) auf.
Für Dr. Lorena Rebolledo, Ozeanografin am INACH und Leiterin des Projekts, war die Mission ein voller Erfolg. Neben der Funktionsprüfung des Fahrzeugs konnte das Team seine Fähigkeit unter Beweis stellen, auch unter schwierigen Bedingungen zu arbeiten. Besonders die starken Strömungen machten zeitweise den Wechsel von der automatischen auf die manuelle Steuerung erforderlich.
Rebolledo bezeichnete die Mission auch wissenschaftlich als bedeutend. Vergleichbare Einsätze in der Magellanstraße liegen rund zehn Jahre zurück. Der neue Transekt liefert wertvolle Daten aus einer Region mit komplexen ozeanographischen und atmosphärischen Bedingungen.
Generalprobe für die Antarktis
Hauptziel der Testfahrt war die Vorbereitung des Teams auf den bevorstehenden Antarktiseinsatz. Der Gleiter soll zwischen der Fildes-Bucht, dem Orca-Seamount und der Nelsonstraße operieren, genau zu jener Zeit, in der Pinguine auf Nahrungssuche für ihre Küken gehen.
Die Forschenden vermuten, dass höhere Nährstoff- und Chlorophyll-a-Konzentrationen die Primärproduktion und damit Krillschwärme fördern. Die neuen Messdaten sollen helfen, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und das Wissen über den Südlichen Ozean zu erweitern.
Der Einsatz in der Antarktis wird deutlich anspruchsvoller sein als in der Magellanstraße. Tiefe Temperaturen können Batterien und Sensoren beeinträchtigen, hinzu kommen starke Winde, Eisberge und dichter Schiffsverkehr. Deshalb wird der Gleiter während des rund zehntägigen Einsatzes rund um die Uhr von einem interdisziplinären Team aus Wissenschaftlern, Technikern und Logistikern überwacht. Nach Angaben von INACH wäre dies der erste Einsatz eines Unterwassergleiters durch ein chilenisches Forschungsteam in der Fildes-Bucht und in der Antarktis.
Breite Zusammenarbeit
An der Testmission waren Spezialisten des INACH, des Hydrographischen und Ozeanographischen Dienstes der chilenischen Marine (SHOA), der Dritten Marinezone, der Hafenbehörde von Punta Arenas sowie des französischen Herstellers Alseamar beteiligt. Das Projekt wird im Rahmen eines Förderprogramms der chilenischen Forschungsagentur ANID gemeinsam von INACH und SHOA umgesetzt und soll autonome Technologien künftig stärker in die ozeanografische Forschung integrieren.
Nach Angaben des SHOA wurden seit 2018 fast 50 Gleitermissionen in Chile durchgeführt. Die Bedingungen in der Magellanstraße mit geringerer Wasserdichte, niedrigerem Salzgehalt sowie starken Strömungen und Winden stellen jedoch besondere Anforderungen und liefern wertvolle Erfahrungen für den bevorstehenden Antarktiseinsatz.
Verläuft die Mission im Dezember erfolgreich, erreicht Chile einen wichtigen Meilenstein in der Polar- und Meeresforschung. Gleichzeitig eröffnen die autonomen Messsysteme neue Möglichkeiten, die Dynamik des Südlichen Ozeans und ihren Einfluss auf die antarktischen Ökosysteme besser zu verstehen.
Heiner Kubny, Polarjournal