Die Antarktische Halbinsel gehört weiterhin zu den Regionen der Erde, die besonders stark von der globalen Erwärmung betroffen ist. Entlang ihrer Westküste steigen die Temperaturen deutlich schneller als im weltweiten Durchschnitt. Messdaten zeigen einen Anstieg von bis zu 0,45 Grad Celsius pro Jahrzehnt, insgesamt hat sich die Region seit den 1950er Jahren um mehr als drei Grad erwärmt – mit besonders ausgeprägten Veränderungen in den Wintermonaten.
Die Folgen sind sichtbar: Ein Großteil der Gletscher zieht sich zurück, jährlich gehen schätzungsweise 13,5 Gigatonnen Eis verloren. Ursache der beschleunigten Erwärmung ist unter anderem ein verstärkter Wärmetransport aus subtropischen Regionen, ausgelöst durch veränderte atmosphärische Zirkulationsmuster. Diese begünstigen den Rückgang des Meereises, häufigere Hitzewellen und extreme Wetterereignisse, die zunehmend mit sogenannten atmosphärischen Flüssen zusammenhängen.
Vor diesem Hintergrund startete 2024 eine neue Studie zur Rekonstruktion der Klimaentwicklung auf der Antarktischen Halbinsel. Da Messstationen in Hochlagen rar sind, stützt sich die Forschung auf chemische Analysen von Eiskernen, die Rückschlüsse auf frühere Zirkulationsmuster, Meereisbedingungen und ozeanische Prozesse erlauben.
Wie aktuell diese Fragestellungen sind, zeigte die erste Feldkampagne im Januar 2025. Während der Arbeiten auf dem Laclavère-Plateau wurde das Forschungsteam von extremen Wetterbedingungen getroffen: Orkanböen, massive Schneeverwehungen und schlechte Sicht erschwerten die Arbeit erheblich. Spätere Analysen führten das Ereignis auf einen starken atmosphärischen Fluss zurück, der warme und feuchte Luftmassen auf die Halbinsel lenkte.
Klimamodelle deuten darauf hin, dass solche Extremereignisse künftig häufiger auftreten werden. Die Erfahrungen der Expedition machen deutlich, wie dringend ein besseres Verständnis großräumiger atmosphärischer Prozesse notwendig ist – sowohl für die Sicherheit der Forschung als auch für die Einschätzung der globalen Klimadynamik.
Heiner Kubny, PolarJournal