Extrem trocken, extrem kalt: Die McMurdo-Trockentäler der Antarktis

von Heiner Kubny
02/10/2026

Das Taylor-Tal ist ein eisfreies Tal von etwa 33 km (21 Meilen) Länge, das einst vom zurückweichenden Taylor-Gletscher bedeckt war. Das Taylor-Tal ist das südlichste der drei großen McMurdo Trockentäler im transantarktischen Gebirge und liegt westlich des McMurdo-Sunds. (Foto: Wikimedia)

Antarktis – Mitten im kältesten Kontinent der Erde liegt eine der extremsten Landschaften unseres Planeten: die McMurdo Dry Valleys. Seit fast zwei Millionen Jahren ist hier kein nennenswerter Niederschlag gefallen – weder Regen noch Schnee. Damit gelten die Täler als die trockenste und zugleich kälteste Wüste der Erde.

Der Taylor-Gletscher ist ein etwa 65 Kilometer (35 Seemeilen) langer Gletscher in der Antarktis, der vom Plateau des Viktorialandes in den westlichen Teil des Taylor-Tals fließt. (Foto: Wikimedia)

Ursache für dieses außergewöhnliche Phänomen ist eine Kombination aus geografischen und klimatischen Extrembedingungen. Das mächtige Transantarktisches Gebirge wirkt wie eine natürliche Barriere und verhindert, dass feuchte Luftmassen vom antarktischen Ozean in die Täler vordringen. Zusätzlich prägen sogenannte Fallwinde – extrem kalte, dichte Luftströme vom antarktischen Hochplateau – das Klima der Region. Diese Winde erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 320 km/h, entziehen Schnee jegliche Feuchtigkeit und lassen ihn direkt sublimieren: Eis verwandelt sich dabei unmittelbar in Wasserdampf.

Die McMurdo-Trockentäler sind eine Reihe von Tälern westlich des McMurdo-Sunds in der Antarktis. Sie verdanken ihren Namen der extrem niedrigen Luftfeuchtigkeit und dem Fehlen von Schnee und Eis. Im relativ feuchten Inneren der Gesteine ​​wurden photosynthetische Bakterien gefunden. Wissenschaftler halten die Trockentäler für die irdische Umgebung, die dem Mars am ähnlichsten ist. (Grafik: Wikipedia)

Die Antarktis, mit einer Fläche von rund 14,2 Millionen Quadratkilometern etwa 40 Prozent größer als Europa, ist bekannt als der kälteste, windigste und am dünnsten besiedelte Kontinent der Erde. Doch nirgendwo zeigt sich ihre Extreme so eindrucksvoll wie in den McMurdo-Trockentälern. Statt Eis und Schnee dominieren dort kahle Felsen, trockene Böden und salzhaltige Seen.

Entdeckt wurden die Täler bereits 1903 vom britischen Polarforscher Robert Falcon Scott. Heute sind sie ein Hotspot der internationalen Forschung. Wissenschaftler nutzen die Region als natürliches Labor, um Prozesse in extremen Lebensräumen zu untersuchen – mit Blick weit über die Erde hinaus. Denn die Oberflächenbedingungen der McMurdo Dry Valleys ähneln stark denen des Mars. Raumfahrtorganisationen wie die NASA erforschen hier, wie Leben unter extremen Bedingungen existieren könnte und was das für zukünftige Missionen auf dem Roten Planeten bedeutet.

Mit ihrer fast vollständig eisfreien Fläche von rund 4.800 Quadratkilometern bleiben die McMurdo-Trockentäler eines der faszinierendsten und zugleich rätselhaftesten Gebiete der Erde – ein Ort, an dem selbst Regen seit Jahrmillionen keine Chance hat.

Heiner Kubny, PolarJournal