Südkoreas erste Containerfahrt über die Nördliche Seeroute hat Europa deutlich schneller erreicht als über den traditionellen Weg durch den Suezkanal. Doch die Reise der «PanStar Acro» zeigt zugleich, welche Herausforderungen einem regelmäßigen Linienverkehr durch die Arktis noch im Weg stehen.
Die «PanStar Acro» verließ Busan am 22. August 2026 und erreichte am 12. September nach 21 Tagen Felixstowe in Großbritannien. Anschließend lief das 2.758-TEU-Schiff Rotterdam an. Es ist das erste südkoreanische Containerschiff, das mit kommerzieller Ladung über die Nördliche Seeroute nach Europa fuhr.
Der Vorteil der Route liegt vor allem in der Entfernung. Die Verbindung zwischen Südkorea und Nordeuropa durch die Arktis ist rund ein Drittel kürzer als der Weg durch den Suezkanal. Dadurch könnten sich Fahrzeit und Treibstoffverbrauch deutlich reduzieren.
Treibeis bremst die Fahrt
Die Reise machte jedoch auch die Schwierigkeiten sichtbar. Nahe der Wrangelinsel traf die «PanStar Acro» auf Treibeis und musste zeitweise warten. Starke Winde und wechselnde Bedingungen verlangsamten die Passage zusätzlich.
Auch die Wirtschaftlichkeit bleibt eine offene Frage. Das für 2.758 TEU ausgelegte Schiff transportierte auf der Fahrt lediglich 737 TEU Exportladung sowie 100 Leercontainer. An Bord befanden sich unter anderem Chemieprodukte, Gebrauchtwagen und Autoteile.
Nach ihren europäischen Hafenstopps soll die «PanStar Acro» über die Nördliche Seeroute nach Busan zurückkehren. Gerade diese Rückfahrt im beginnenden arktischen Herbst dürfte zum nächsten wichtigen Test werden, da sich die Eisbedingungen zunehmend verschärfen können.
Südkorea will die Reise deshalb nicht nur als Demonstrationsfahrt verstanden wissen. Die gewonnenen Daten zu Fahrzeit, Treibstoffverbrauch, Kosten und Sicherheit sollen zeigen, ob regelmäßige Verbindungen wirtschaftlich sinnvoll sind. Weitere Testfahrten könnten folgen.
Fazit:
Die Nördlichen Seeroute kann die Verbindung zwischen Ostasien und Europa erheblich verkürzen. Eis, Wetter, geringe Auslastung und die kurze Navigationssaison bleiben jedoch entscheidende Hindernisse auf dem Weg zu einem regelmäßigen Linienverkehr.
Heiner Kubny, PolarJournal