China startet Arktis-Liniendienst nach Europa

von Heiner Kubny
08/19/2026

Am 15. August gegen 19 Uhr legte die «Dubai Tower» im Hafen Ningbo-Zhoushan ab. Damit startete offiziell der wöchentliche Sommerbetrieb des China-Europe Arctic Express (CAX) über die arktische Nordostpassage nach Europa. (Foto: Jiang Yushi / People’s Daily)

Die Schifffahrt entlang der russischen Arktisküste könnte in diesem Sommer eine neue Größenordnung erreichen. Die chinesische Reederei Sea Legend Shipping plant erstmals einen regelmäßigen saisonalen Containerdienst zwischen China und Europa über die Nordostpassage. Damit sollen aus bisherigen Einzel- und Testfahrten erstmals Verbindungen nach einem festen Fahrplan werden.

Unter der Bezeichnung China-Europe Arctic Express (CAX) sind zwischen August und Anfang Oktober 2026 insgesamt acht Abfahrten vorgesehen. Die Schiffe starten in Ningbo-Zhoushan an der chinesischen Ostküste und fahren über die russische Arktis nach Felixstowe in Großbritannien.

Die neue China-Europe Arctic Express Route (CAX) führt von Ningbo-Zhoushan durch die Nordostpassage nach Felixstowe und verkürzt die Fahrt nach Europa auf rund 20 Tage.

In rund 20 Tagen nach Europa

Der größte Vorteil ist die deutlich kürzere Fahrzeit. Für die Strecke von Ningbo nach Felixstowe werden etwa 20 bis 21 Tage veranschlagt. Transporte über den Suezkanal benötigen häufig 30 bis 40 Tage, die Umfahrung Afrikas über das Kap der Guten Hoffnung noch länger.

Den Auftakt soll die „Dubai Tower“ machen, ein Containerschiff mit rund 1.740 TEU Kapazität. Am 15. August hat das Schiff China verlassen und soll am 7. September Felixstowe erreichen. Weitere Schiffe folgen im Wochenrhythmus. Von Großbritannien aus kann die Ladung auf zahlreiche europäische Häfen verteilt werden.

Die «Istanbul Bridge» beim Beladen im Hafen Ningbo-Zhoushan. Von hier startete das Containerschiff im September 2025 zu seiner ersten Fahrt über die Nordostpassage nach Europa. (Foto: Ningbo Zhoushan Port)

Testfahrt als Wegbereiter

Die Grundlage für den neuen Dienst wurde bereits 2025 gelegt. Im September verließ die «Istanbul Bridge» Ningbo und erreichte Felixstowe nach rund 20 Tagen. Anschließend lief sie weitere europäische Häfen wie Hamburg, Gdansk und Rotterdam an.

Die dabei gewonnenen Erfahrungen mit Navigation, Eis- und Wetterbedingungen sowie Logistik sollen nun in einen regelmäßigen Betrieb einfließen.

Sieben Schiffe für acht Fahrten

Für 2026 sind sieben Schiffe mit Kapazitäten zwischen etwa 1.500 und knapp 4.900 TEU vorgesehen. Neben der «Dubai Tower» sollen unter anderem die «Riyadh Mukaab», «Athens Odeon» und erneut die «Istanbul Bridge» eingesetzt werden.

Von einem ganzjährigen Liniendienst kann allerdings noch keine Rede sein. Die Nordostpassage bleibt stark von den Eisverhältnissen abhängig und ist für gewöhnliche Handelsschiffe vorerst auf die Sommer- und frühen Herbstmonate beschränkt.

Luftaufnahme des Hafens Felixstowe, Großbritanniens größtem Containerhafen. Hier endet die neue arktische Containerroute von China nach Europa. (Foto: Courtesy of the Port of Felixstowe)

Chancen und Risiken

Für China eröffnet die Route eine zusätzliche und erheblich kürzere Verbindung zu den europäischen Märkten. Gleichzeitig gewinnt die Nordostpassage durch die engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen China und Russland weiter an strategischer Bedeutung.

Die zunehmende Schifffahrt birgt jedoch Risiken für das empfindliche arktische Ökosystem. Unfälle und Schadstoffeinträge könnten in der abgelegenen Region besonders schwerwiegende Folgen haben. Hinzu kommen schwierige Eis- und Wetterbedingungen sowie eine begrenzte Hafen- und Rettungsinfrastruktur.

Sollten die acht geplanten Fahrten 2026 erfolgreich verlaufen, wäre dennoch eine wichtige Schwelle überschritten: Aus einzelnen Containerpassagen könnte erstmals ein planmäßiger saisonaler Liniendienst zwischen China und Europa werden.

Heiner Kubny, PolarJournal