Nach rekordlangen und schwierigen Verhandlungen haben Norwegen und Russland eine Einigung über die Fangquoten für das Jahr 2026 in der Barentssee erzielt. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere der Kabeljau-Bestand in der Nordostarktis, dessen Schutz seit Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Wie das norwegische Fischereiministerium mitteilte, wird die Gesamtfangquote für Kabeljau 2026 auf 285.000 Tonnen festgelegt. Das entspricht einer Reduzierung um 16 Prozent im Vergleich zur Quote des laufenden Jahres. Nach Angaben des Ministeriums soll diese Maßnahme den Fischereidruck deutlich verringern. Es handelt sich um die niedrigste Kabeljauquote seit 1991.
Während die Kabeljaufänge weiter eingeschränkt werden, dürfen Fischer im kommenden Jahr mehr Schellfisch fangen. Die Gesamtquote für Schellfisch steigt 2026 auf 153.293 Tonnen und liegt damit rund 18 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Norwegens Fischereiministerin Marianne Sivertsen Næss sprach von herausfordernden Gesprächen. Die Verhandlungen seien unter anderem durch die Börsennotierung zweier russischer Fischereiunternehmen erschwert worden. Dennoch zeigte sie sich zufrieden mit dem Ergebnis. Die Vereinbarung leiste einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Fischereiressourcen im Norden, erklärte die Ministerin.
Russische Verhandlungskreise betonten unterdessen, dass das Abkommen keine Lockerung der norwegischen Sanktionen gegen die russischen Unternehmen Norebo und Murman Seafood beinhalte. Moskau hatte zuvor argumentiert, diese Maßnahmen verstießen gegen das norwegisch-russische Fischereiabkommen von 1976. Norwegen hatte die Sanktionen Anfang Juli verhängt, wenige Wochen nach entsprechenden Schritten der Europäischen Union. In der Folge bestellte das russische Außenministerium den norwegischen Geschäftsträger ein und kritisierte die Maßnahmen scharf.
Trotz der aktuellen politischen Spannungen verweisen beide Seiten auf die lange Tradition der Zusammenarbeit. Seit mehr als 50 Jahren regeln Norwegen und Russland gemeinsam die Fangquoten in der Barentssee. Diese Kooperation gilt international als Beispiel für erfolgreiche und nachhaltige Fischereiverwaltung.
Die wissenschaftliche Grundlage der neuen Quoten lieferten Experten des norwegischen Instituts für Meeresforschung und des russischen Forschungsinstituts VNIRO. Die bilaterale Arbeitsgruppe nutzte international anerkannte Methoden zur Bestandsbewertung. Zusätzlich einigten sich beide Länder auf ein gemeinsames norwegisch-russisches Forschungsprogramm für das Jahr 2026.
Heiner Kubny, PolarJournal