Ein deutlicher Temperaturanstieg in der Barentssee gefährdet die Laichgebiete und die Nahrungsgrundlage wichtiger Fischarten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Ressourcenübersicht des norwegischen Instituts für Meeresforschung, die Anfang Februar 2026 auf der Arctic Frontiers Konferenz in Tromsø vorgestellt wurde.
Dem Bericht zufolge lagen die Oberflächentemperaturen in norwegischen Gewässern in den vergangenen Jahren zwischen 0,5 und 2,5 Grad über dem bisherigen Durchschnitt. Besonders stark betroffen sind die nördlichen und östlichen Teile der Barentssee sowie Gewässer westlich und nördlich von Spitzbergen.
Der Direktor des Instituts für Meeresforschung, Nils Gunnar Kvamstø, betonte bei der Präsentation die wachsende Bedeutung zuverlässiger Daten über Fischbestände. Angesichts geopolitischer Spannungen werde die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung zunehmend wichtiger. Gleichzeitig erschwerten Klimawandel und politische Entwicklungen eine nachhaltige Bewirtschaftung der Meeresressourcen.
Grafiken, die der Meeresforscher Geir Huse präsentierte, zeigen deutliche Temperaturveränderungen der vergangenen drei Jahrzehnte. Während sich die oberen Wasserschichten stark erwärmt haben, bleiben die Temperaturen in tieferen Meeresschichten vergleichsweise stabil.
Parallel dazu verzeichnen Wissenschaftler einen deutlichen Rückgang der Fischbestände. Besonders pelagische Fische, die im freien Wasser leben, verlieren an Biomasse. Eine zentrale Ursache sehen Forscher in der Kombination aus steigenden Temperaturen und einem Rückgang von Plankton, der wichtigsten Nahrungsquelle vieler Fischarten.
Der Vorsitzende des Fischerverbandes Ostfinnmark, Arne Pedersen, bezeichnet die Entwicklung als alarmierend. Besonders die Planktonart Calanus, eine zentrale Nahrungsquelle im arktischen Ökosystem, sei deutlich zurückgegangen. „Selbst Wale sind auf dieses Plankton angewiesen“, sagt Pedersen. Für viele Fischarten, die in den Fjorden laichen, sei Calanus entscheidend für das Überleben der Jungfische.
Auch wirtschaftlich wichtige Bestände wie der arktische Kabeljau stehen laut Institut inzwischen unter Druck. Der Bestand erreiche ein kritisches Niveau, vor allem weil zu wenige Jungfische nachwachsen. Gleichzeitig sei in den vergangenen Jahren teilweise mehr Kabeljau gefangen worden als empfohlen.
Im Dezember 2025 einigten sich Norwegen und Russland deshalb auf die niedrigste Kabeljauquote seit 1991.
Insgesamt hat sich der Fischbestand in den Gewässern rund um Norwegen laut Institut seit 2013 halbiert. Damals lag die geschätzte Gesamtbiomasse noch bei rund 35 Millionen Tonnen. Heute hat sie den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2000 erreicht.
Pedersen fordert daher deutlich strengere Schutzmaßnahmen für die Laichgebiete. „In einigen Fjorden können die Fische nicht mehr ausreichend laichen“, sagt er. „Wenn wir wollen, dass es auch in Zukunft noch Fisch gibt, müssen sich diese Gebiete erholen können.“
Heiner Kubny, PolarJournal