Im Juli 1963 wurde Ingrid Pedersen zur ersten Frau, die den Nordpol überflog. Der Flug begann am 29. Juli in Fairbanks, Alaska, und endete am folgenden Tag in Bodø, Norwegen, mit einem Zwischenstopp in Station Nord im Nordosten Grönlands.
Pedersen flog eine einmotorige Cessna 205 zusammen mit ihrem Ehemann, dem norwegischen Navigator Einar Sverre Pedersen. Das Flugzeug überquerte den Nordpol nach etwa 17 Stunden in der Luft in einer Höhe von rund 3000 Fuß. Die gesamte Reise dauerte etwas mehr als 32 Stunden.
Ingrid Pedersen (1933–2012) wurde in Stockholm geboren und erhielt 1957 ihre Pilotenlizenz als 13. Frau in Schweden. Nach ihrem Umzug nach Alaska im Jahr 1962 erwarb sie zusätzlich eine US-amerikanische Fluglizenz. Der Flug über den Nordpol fand im darauffolgenden Jahr statt.
Der Flug brachte ihr damals Anerkennung, darunter die Amelia-Earhart-Medaille der Ninety-Nines im Jahr 1963 sowie eine Goldplakette des Königlichen Schwedischen Aero-Clubs im Jahr 1964.
Pedersen beschrieb den Flug später als eine Art Bewährungsprobe und nicht als herausragende Leistung. In einem Interview von 1996 erklärte sie, die Reise habe ihr Selbstvertrauen gegeben, sei für sie jedoch nichts Außergewöhnliches gewesen.
Ihre weitere Laufbahn war eng mit der Polarluftfahrt verbunden. Ab 1975 flog sie regelmäßig auf Spitzbergen, transportierte Passagiere und Fracht und übernahm Aufträge für das Norwegische Polarinstitut. Zudem führte sie Landungen auf treibendem Meereis im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten durch. Im Winter 1978–79 überwinterte sie auf Spitzbergen und arbeitete dort als Pilotin für Lufttransport.
1979 emigrierte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Einar Sverre Pedersen (1919–2008) in die Vereinigten Staaten. Dort war sie als Berufspilotin und Fluglehrerin in Alaska tätig. 1992 nahm sie eine Stelle beim Alaska Aviation Heritage Museum an, wo sie als stellvertretende Direktorin arbeitete. 1996 veröffentlichte sie ihre Memoiren über ihre Erfahrungen in der Arktis unter dem Titel Parfyme og motorolje(„Parfüm und Motorenöl“).
Ingrid Pedersen verstarb im Jahr 2012. Ihr Flug von 1963 gilt als frühes Beispiel für Langstreckenflüge mit kleinen Flugzeugen über die zentrale Arktis.
Léa Zinsli, PolarJournal