Ukrainische Wissenschaftler haben mit sechs autonomen Argobojen erstmals eine ganzjährige ozeanografische Untersuchung in der Bransfieldstraße zwischen der Antarktischen Halbinsel und den Südlichen Shetlandinseln durchgeführt. Seit ihrem Aussetzen im März 2025 liefern die Messstationen kontinuierlich Daten über Temperatur und Salzgehalt des Meerwassers – auch während des antarktischen Winters.
Die Argobojen tauchen bis in eine Tiefe von 1.500 Metern ab und treiben mit den Meeresströmungen. Alle zehn Tage steigen sie langsam zur Oberfläche auf und messen dabei in jedem Meter Wassertiefe die Temperatur und die elektrische Leitfähigkeit, aus der sich der Salzgehalt berechnen lässt. Nach dem Auftauchen bleiben ihnen lediglich rund 20 Minuten, um ihre Daten per Satellit an die Wissenschaftler zu übermitteln. Um Kollisionen mit Meereis zu vermeiden, sind die Bojen so programmiert, dass sie bei Wassertemperaturen unter –1,75 °C nicht auftauchen.
Die Messstationen befinden sich in der Bransfieldstraße, einer dynamischen und bislang nur wenig erforschten Meeresregion. Hier treffen die kalten, salzärmeren Wassermassen des Weddellmeeres auf die wärmeren und salzreicheren Gewässer westlich der Antarktischen Halbinsel. Eine der Bojen meldete sich mehrere Monate lang nicht, tauchte später jedoch wieder auf und übermittelte ihre gespeicherten Daten. Vermutlich war sie während dieser Zeit unter dichtem Meereis eingeschlossen.
Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr gingen bereits 428 Datensätze ein. Sie ermöglichen erstmals einen vollständigen Einblick in die jahreszeitlichen Veränderungen der Wassermassen dieser Region. Die Forschenden konnten unter anderem die Bildung saisonaler Oberflächenwasserschichten, Veränderungen der Wasserschichtung in größeren Tiefen sowie dauerhaft stabile Wassermassen nachweisen.
„Wenn wir Wassermassen mit einem Garten vergleichen, dann haben wir neben dem grünen Sommer endlich auch die anderen Jahreszeiten gesehen: wie Blätter Knospen bilden, gelb werden und schließlich abfallen“, beschreibt Ozeanografin Natalia Dikul vom National Antarctic Scientific Center (NASC) die neuen Erkenntnisse.
Die gewonnenen Daten liefern wichtige Erkenntnisse über das antarktische Ökosystem. Das Aufsteigen nährstoffreichen Tiefenwassers fördert das Wachstum von Phytoplankton – der Nahrungsgrundlage für Krill, Fische, Seevögel und Robben. Gleichzeitig kann wärmeres Tiefenwasser das Abschmelzen der Schelfeise beschleunigen. Darüber hinaus liefern die Messungen wertvolle Informationen über den Wärmetransport im Südlichen Ozean und dessen Einfluss auf das antarktische Klima.
Die Forschungsarbeiten sind Teil des Projekts OCEAN, das im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Horizon Europe gemeinsam mit UK Research and Innovation (UKRI) gefördert wird.
Heiner Kubny, PolarJournal

