Arktis: Schlechtere Sicht für die Schifffahrt

von Heiner Kubny
07/22/2026

Dichter Nebel in der Arktis erschwert die Schifffahrt. Mit dem Klimawandel und den steigenden Temperaturen nehmen eingeschränkte Sichtverhältnisse in einigen Regionen zu und stellen die Navigation vor neue Herausforderungen. (Foto: Rosatom)

Die Auswirkungen des Klimawandels in der Arktis betreffen nicht nur das Meereis, sondern zunehmend auch die Sichtverhältnisse. Eine aktuelle Untersuchung des russischen Arktis- und Antarktisforschungsinstituts (AARI) zeigt, dass die Häufigkeit gefährlich eingeschränkter Sicht entlang der Küste der Karasee seit den 1990er-Jahren deutlich zugenommen hat. Für die Schifffahrt auf der Nordostpassage stellt dies eine wachsende Herausforderung dar.

Die Karasee bildet den westlichen Eingang zur Nordostpassage, einer der wichtigsten arktischen Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Asien. Heute verkehren dort große Tanker der Arc7-Klasse mit einer Länge von bis zu 300 Metern. Sinkt die Sichtweite unter 200 Meter, wird das sichere Manövrieren dieser Schiffe erheblich erschwert. Bei einer Sichtweite von weniger als 50 Metern sprechen Meteorologen von einem gefährlichen Wetterereignis.

Der Atomeisbrecher «Ural» ermöglicht einem Frachtschiff im Konvoi die sichere Durchfahrt durch die eisbedeckte Nordostpassage. (Foto: Rosatom)

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler Wetterdaten der Küstenstationen Dikson und Kap Tscheljuskin aus den Jahren 1966 bis 2021 aus. Dadurch konnten sie die klimatisch kühlere Periode von 1960 bis 1991 mit der heutigen Phase der raschen arktischen Erwärmung vergleichen.

Die Analyse zeigt zwei jährliche Spitzen eingeschränkter Sicht: Im Winter werden diese hauptsächlich durch Schneestürme verursacht, während im Sommer Nebel dominiert. Letzterer tritt häufiger auf, weil das schmelzende Meereis größere Wasserflächen freilegt und dadurch mehr Feuchtigkeit in die Atmosphäre gelangt. Besonders an der Wetterstation Kap Tscheljuskin ist der sommerliche Nebel inzwischen häufiger als die winterlichen Schneestürme – ein deutlicher Hinweis auf die veränderten Klimabedingungen.

Zwei Eisbrecher mit Frachtschiffen im Schlepptau kreuzen sich während der Dunkelheit auf der Nordostpassage. Kommt zusätzlich dichter Nebel auf, werden Navigation und Begegnungsverkehr zu einer besonderen Herausforderung. (Foto: Rosatom)

Nach Angaben der Forscher ist die schlechtere Sicht ein bislang unterschätzter Faktor des Klimawandels in der Arktis. Während der Rückgang von Ausdehnung und Dicke des Meereises intensiv untersucht wird, rückt die zunehmende Nebelbildung erst jetzt stärker in den Fokus. Für die Schifffahrt bedeutet dies, dass moderne hydrometeorologische Vorhersagen und eine präzise Reiseplanung künftig noch wichtiger werden, um die Sicherheit auf der Nordostpassage zu gewährleisten.

Heiner Kubny, PolarJournal