Australien ergreift auf Macquarie Island eine außergewöhnliche Vorsichtsmaßnahme: Wegen der drohenden Ausbreitung der hochpathogenen Vogelgrippe H5 soll das Personal der Forschungsstation vorübergehend von der subantarktischen Insel abgezogen werden. Noch wurde das Virus dort nicht nachgewiesen, doch die Erfahrungen von Heard Island lassen Schlimmes befürchten.
Auf Macquarie Island, rund 1.500 Kilometer südöstlich von Tasmanien, arbeiten derzeit 24 Wissenschaftler, Techniker und weitere Mitarbeitende des Australian Antarctic Program. Sie sollen die Insel vorübergehend verlassen. Die australische Regierung begründet den ungewöhnlichen Schritt insbesondere mit der möglichen psychischen Belastung durch ein massenhaftes Sterben von Wildtieren.
Die Forschungsstation liegt unmittelbar neben großen Tierkolonien. Macquarie Island gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist eines der bedeutendsten Brutgebiete im Südlichen Ozean. Zeitweise halten sich dort Millionen Seevögel sowie Zehntausende Robben und See-Elefanten auf.
Wie verheerend H5 wirken kann, zeigte sich auf Heard Island. Dort wurde das Virus bereits 2025 bei Südlichen See-Elefanten nachgewiesen. In der Folge starben Tausende Jungtiere; örtlich wurden außergewöhnlich hohe Sterblichkeitsraten festgestellt.
Auf Macquarie Island ist H5 bislang nicht nachgewiesen worden. Fachleute befürchten jedoch, dass infizierte Seevögel oder Meeressäuger das Virus einschleppen könnten. Besonders kritisch ist die bevorstehende Fortpflanzungszeit der See-Elefanten, wenn sich Tausende Tiere dicht gedrängt an den Stränden versammeln.
Für den Abzug des Personals soll Australiens Forschungseisbrecher RSV Nuyina eingesetzt werden. Die Maßnahme ist vorübergehend; Australien gibt die Forschungsstation nicht auf.
Die Entscheidung wurde am 28. August 2026 vom Australian Antarctic Program bekanntgegeben. Sie zeigt, wie ernst die weitere Ausbreitung der Vogelgrippe im Südlichen Ozean inzwischen genommen wird, besonders auf abgelegenen Inseln mit riesigen und dicht gedrängten Tierkolonien.
Rosamaria Kubny, PolarJournal

