Ein nur sieben Meter langer autonomer Segler ist von Hobart zu einer monatelangen Reise rund um die Antarktis aufgebrochen. Der Saildrone soll rund 22.000 Kilometer durch den Südlichen Ozean zurücklegen und dabei eine der wichtigsten Fragen der Klimaforschung untersuchen: Wie viel Kohlendioxid nimmt das Meer tatsächlich aus der Atmosphäre auf?
Der Saildrone Explorer SD-1092 wurde am 20. September 2026 vor Tasmanien ausgesetzt. Angetrieben wird das unbemannte Fahrzeug durch Wind, während Solarpaneele die wissenschaftlichen Instrumente mit Energie versorgen. Rund 200 Tage soll es auf See bleiben und dabei die Antarktis umrunden.
Die Mission ist Teil des fünfjährigen internationalen Forschungsprojekts COCO2 – Constraining Ocean Carbon with Optimized Observing. Alle drei Monate soll ein weiterer Saildrone starten, bis vier Fahrzeuge gleichzeitig im Südlichen Ozean unterwegs sind. Beteiligt sind unter anderem CSIRO, NOAA, Columbia University sowie weitere Forschungsinstitutionen aus den USA, Australien und Südafrika.
Im Mittelpunkt steht die Rolle des Südlichen Ozeans als gewaltiger Kohlenstoffspeicher. Die Weltmeere nehmen etwa ein Drittel des Kohlendioxids auf, das jährlich aus der Atmosphäre gebunden wird. Rund 40 Prozent der globalen ozeanischen CO₂-Aufnahme entfallen nach Angaben von CSIRO auf den Südlichen Ozean. Gerade dort fehlen jedoch während des antarktischen Winters noch viele Messdaten.
Der Saildrone misst deshalb kontinuierlich unter anderem CO₂ in Luft und Meerwasser, Wassertemperatur, Salzgehalt, Sauerstoff, Wind, Luftdruck und Lufttemperatur. Die Daten werden nahezu in Echtzeit über Satellit übertragen. Anders als Forschungsschiffe kann das autonome Fahrzeug monatelang in abgelegenen und besonders stürmischen Regionen arbeiten.
Dass die Technik solche Bedingungen überstehen kann, wurde bereits 2019 demonstriert: Damals umrundete ein Saildrone die Antarktis in 196 Tagen. Bei der neuen Mission geht es jedoch nicht um eine einzelne Rekordfahrt. Über fünf Jahre soll ein möglichst lückenloses Bild davon entstehen, wie sich die CO₂-Aufnahme des Südlichen Ozeans räumlich und jahreszeitlich verändert. Die Ergebnisse sollen auch in den jährlich veröffentlichten Global Carbon Budget einfließen.
Damit könnte die kleine orangefarbene Forschungsplattform Daten aus Regionen liefern, die selbst moderne Forschungsschiffe nur selten erreichen und helfen, eine entscheidende Unsicherheit bei der zukünftigen Entwicklung des globalen Kohlenstoffkreislaufs zu verringern.
Link zur Website: CSIRO
Heiner Kubny, PolarJournal

