Livingston Island wird zum Treffpunkt für Seeleoparden

von Rosamaria Kubny
10/14/2026

Ein Seeleopard (Hydrurga leptonyx) taucht aus den eisigen Gewässern der Antarktis auf. Die einzelgängerisch lebenden Robben werden nur selten in grösseren Ansammlungen beobachtet – umso bemerkenswerter sind die neuen Beobachtungen bei Livingston Island. (Foto: Rosamaria Kubny)

Auf Livingston Island in den Südlichen Shetlandinseln haben Forschende eine ungewöhnlich große Ansammlung von Seeleoparden dokumentiert. In der South Bay konnten innerhalb eines antarktischen Sommers mindestens 33 verschiedene Tiere identifiziert werden.

Während der Saison 2025/26 registrierte ein internationales Forschungsteam an 34 Beobachtungstagen insgesamt 68 Sichtungen. Mehr als 6.000 Fotos ermöglichten es, mindestens 33 einzelne Seeleoparden (Hydrurga leptonyx) anhand ihrer individuellen Fellzeichnungen zu unterscheiden. Die Ergebnisse wurden am 24. September 2026 in Polar Biology veröffentlicht.

Ein Seeleopard (Hydrurga leptonyx) ruht auf einer Eisscholle. Die mächtigen Robben gehören zu den wichtigsten Räubern des antarktischen Ökosystems und ernähren sich unter anderem von Krill, Fischen, Pinguinen und anderen Robben. (Foto: Rosamaria Kubny)

Mehrere Tiere hielten sich über längere Zeit in der Bucht auf oder kehrten wiederholt zurück. Neun Seeleoparden wurden mehrfach beobachtet, ein junges Männchen sogar über einen Zeitraum von 68 Tagen. Das deutet darauf hin, dass die South Bay saisonal ein wichtiger Aufenthaltsort sein könnte.

Die Forschenden beobachteten die Robben bei der Jagd auf Pinguine und einen Skua; zudem gibt es Hinweise auf Krill als wichtige Nahrung. Eisberge, nahe Pinguinkolonien und ein gutes Nahrungsangebot könnten erklären, weshalb sich hier so viele Tiere aufhalten.

Ein Seeleopard (Hydrurga leptonyx) erbeutet einen Eselspinguin im antarktischen Küstengewässer. Seeleoparden sind ausgezeichnete Jäger und lauern Pinguinen häufig im Wasser nahe ihrer Brutkolonien auf.

Auch mögliches Fortpflanzungsverhalten wurde dokumentiert. Männchen und Weibchen lagen gemeinsam auf Eisbergen, Paarungsrufe wurden aufgezeichnet und Ende Dezember wurde ein möglicherweise hochträchtiges Weibchen beobachtet. Ob in der South Bay tatsächlich Junge geboren werden, ist bislang nicht geklärt.

Die Forschenden wollen nun mit längerfristigen Beobachtungen herausfinden, ob die Seeleoparden regelmäßig in die South Bay zurückkehren. Die ungewöhnlich hohe Zahl der Tiere zeigt jedenfalls, dass die Bucht für diese bislang nur unzureichend erforschte Robbenart eine besondere Bedeutung haben könnte.

Rosamaria Kubny, PolarJournal