Erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte geht der Literaturpreis des Nordischen Rates an ein samischsprachiges Werk. Was hat dem diesjährigen Gewinner diese Anerkennung eingebracht?
Der seit 1962 jährlich verliehene Literaturpreis des Nordischen Rates würdigt literarische Leistungen in den nordischen Sprachen. Ausgezeichnet werden Werke von Romanen und Theaterstücken bis hin zu Gedichten und Kurzgeschichten.
Bis zu dieser Woche war Nils-Aslak Valkeapääs Beaivi, Áhčážan (Sonne, mein Vater), ausgezeichnet 1991, das einzige samischsprachige Siegerwerk. Am 20. Oktober wurde Sigbjørn Skåden für Láŋtdievvá / Planterhaug als Preisträger für 2026 bekannt gegeben. Sowohl das norwegische als auch das samische Komitee hatten ihn nominiert. Er wird den Preis am 27. Oktober in Helsinki entgegennehmen.
Mit Leichtigkeit an tiefgründige Fragen
Der 2025 veröffentlichte Roman trägt den samischen und den norwegischen Namen von Skådens Heimatdorf in Ofoten in Nordnorwegen. Der Ort bildet die Kulisse für eine Detektivgeschichte, die über die eigentlichen Ermittlungen hinausgeht.
Ein älterer Mann stirbt, und zunächst vermutet niemand ein Verbrechen. Dennoch reist der Ermittler John Edgar Huuva aus Oslo an, um den Todesfall zu untersuchen. Seine Nachforschungen führen ihn in die Familiengeschichte und die verschwiegene Vergangenheit der Dorfgemeinschaft.
Laut dem Verlag Cappelen Damm behandelt das Buch schwierige Themen mit Humor und geht dabei Fragen zu Natur, Kultur und Zugehörigkeit nach. Die Jury lobt die originelle, spielerische Erzählweise ebenso wie die poetischen und melancholischen Qualitäten. Sie hebt auch die historische Tiefe des Romans hervor, der Norwegens Assimilationspolitik mit Fragen samischer Identität in der Gegenwart verbindet.
Aus Liebe zur Heimat
Skåden schrieb den Roman zunächst auf Tornesamisch und arbeitete ihn anschliessend auf Norwegisch um. Beide Fassungen erschienen gleichzeitig. Er hat das Buch als Ausdruck seiner Liebe zu seinem Heimatdorf und den samischen Erzähltraditionen beschrieben.
Presseberichten zufolge war er ursprünglich gebeten worden, auf Norwegisch zu schreiben. Als er sich jedoch an die Arbeit machen wollte, hatte er das Gefühl, kein Autor werden zu können, der das Samische aufgibt.
Sprachen tragen kulturelles Gedächtnis und Identität. In der gesamten Arktis werden sie trotz generationenlanger Unterdrückung weiterhin verwendet. Polar Journal hat bereits über Bemühungen berichtet, ihre Sichtbarkeit und Zugänglichkeit zu verbessern, auch mithilfe KI-gestützter Übersetzung.
Skåden hofft, dass die Auszeichnung jüngere Schreibende ermutigt, eine Zukunft darin zu sehen, Geschichten in ihren eigenen Sprachen zu erzählen. Nach 35 Jahren gibt es dafür nun ein prominentes neues Beispiel.
PolarJournal Team

