Positive Entwicklung – weniger PFAS in Walen

von Rosamaria Kubny
02/01/2026

Das männliche Pilotwale erreichen eine Länge von drei bis sechs, maximal bis zu acht Metern und ein Gewicht von maximal drei Tonnen. Weibliche Tiere sind mit einer maximalen Länge von 6 Metern etwas kleiner. (Foto: iStock)

Es gibt gute Nachrichten aus der Umweltforschung: Die Belastung der Ozeane mit sogenannten PFAS-Chemikalien nimmt offenbar ab. Wie eine aktuelle Studie zeigt, ist die Konzentration dieser Schadstoffe im Körper von Pilotwalen im Nordatlantik seit ihrem Höchststand um rund 60 Prozent gesunken.

Die Ergebnisse basieren auf der Analyse von Gewebeproben aus den Jahren 1986 bis 2023. Untersucht wurden Leber- und Muskelproben von Pilotwalen (Globicephala melas), die als Zahnwale an der Spitze der marinen Nahrungskette stehen und daher als wichtige Indikatoren für die Verschmutzung der Meere gelten. Die Studie wurde von einem Forschungsteam der Harvard University durchgeführt und im Fachjournal PNAS veröffentlicht.

Die Pilotwale bevorzugen gemäßigte und kalte Gewässer; auf der Südhalbkugel bewohnen sie alle Ozeane, auf der Nordhalbkugel nur den Atlantik. (Grafik: Wikipedia)

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) werden seit den späten 1940er-Jahren industriell hergestellt. Aufgrund ihrer extrem stabilen Fluor-Kohlenstoff-Bindungen werden sie auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Sie kommen in zahlreichen Alltags- und Industrieprodukten zum Einsatz, etwa in Kosmetika, beschichteten Kochutensilien, Textilien, Löschschäumen oder elektronischen Geräten. Rückstände dieser Stoffe sind weltweit in Umwelt und Organismen nachweisbar, auch im menschlichen Körper.

Wegen ihrer nachgewiesenen Gesundheits- und Umweltrisiken wurden besonders langkettige PFAS seit Anfang der 2000er-Jahre schrittweise verboten. Die nun vorliegende Untersuchung belegt, dass diese Maßnahmen Wirkung zeigen. Vier PFAS der älteren Generation machten zwar rund drei Viertel der gemessenen organischen Fluorverbindungen im Walgewebe aus, doch nach einem Höchststand im Jahr 2011 sanken die Werte bis 2023 deutlich.

Der aktuelle Bestand der Art im nördlichen Atlantik wird auf über 100.000 Tiere geschätzt. Die Weibchen werden mit etwa sechs bis zehn Jahren geschlechtsreif, die Männchen erst im ungefähr doppelten Alter. Die Lebenserwartung der Pilotwale wird auf durchschnittlich 30 bis 50 Jahre geschätzt. (Foto: Pixabay)

Die Forschenden verzichteten bewusst darauf, einzelne PFAS-Verbindungen zu messen. Stattdessen bestimmten sie die Gesamtmenge organischer Fluorverbindungen, da neuere PFAS-Alternativen mit kürzeren Ketten schwieriger nachzuweisen sind. Modellrechnungen zeigen zudem, dass der zeitliche Abstand zwischen Verbot und messbarem Rückgang auf langsame Transportprozesse im Meer zurückzuführen ist.

„Die Einstellung der Produktion – zunächst freiwillig, später durch gesetzliche Vorgaben – hat sich als sehr wirksam erwiesen, um die Konzentrationen dieser Chemikalien sowohl in Quellnähe als auch in weit entfernten Ökosystemen zu senken“, erklärt Erstautorin Jennifer Sun.

Die Studie liefert damit ein seltenes positives Signal: Konsequente Regulierung langlebiger Schadstoffe kann langfristig zu einer messbaren Entlastung selbst abgelegener mariner Ökosysteme führen.

Rosamaria Kubny, Polarjournal