Wissenschaftler des British Antarctic Survey haben bei der Auswertung von Satellitenbildern entlang der Küste des Marie-Byrd-Land eine bedeutende Entdeckung gemacht. Mehrere bislang unbekannte Mauserkolonien von Kaiserpinguinen wurden identifiziert. Die Beobachtung liefert neue Erkenntnisse über das Verhalten der Tiere und weist zugleich auf eine ernsthafte Gefährdung ihres Überlebens hin.
Aufmerksam wurden die Forscher durch auffällige braune Flecken auf dem Meereis, die sich bei näherer Analyse als Gruppen mausernder Pinguine herausstellten. Während der Mauser erneuern die Tiere einmal jährlich ihr gesamtes Gefieder. In dieser Phase können sie mehrere Wochen nicht ins Wasser und sind vollständig auf stabiles Festeis angewiesen. Veröffentlicht wurde dieser Berichtam 25. Februar 2026 auf der Website von communications earth & environment.
Die untersuchte Population stammt aus dem Rossmeer und umfasst sieben Brutkolonien mit bis zu 40 Prozent des weltweiten Bestands. Jeden Sommer legen die Tiere weite Strecken zurück, um im Marie-Byrd-Land geeignete Eisflächen für die Mauser zu finden, bislang eine Region mit vergleichsweise stabilem, küstennahem Meereis.
Die Analyse von Satellitendaten aus sieben Jahren zeigte jedoch eine dramatische Entwicklung. Zwischen 2022 und 2024 erreichte die antarktische Meereisausdehnung Rekordtiefstände. Im Untersuchungsgebiet sank die Eisbedeckung von einem langjährigen Durchschnitt von rund 500.000 Quadratkilometern auf nur noch etwa 100.000 Quadratkilometer im Jahr 2023. Besonders stark betroffen war das Festeis in Küstennähe.
In mehreren Jahren brach das Eis auf, bevor die Pinguine ihre Mauser abgeschlossen hatten. Da sie in dieser Zeit weder schwimmen noch Nahrung aufnehmen können, bedeutet ein vorzeitiger Eisverlust ein hohes Sterberisiko durch Erschöpfung, Unterkühlung und Raubtiere.
Die Folgen zeigen sich möglicherweise bereits. 2025 wurden trotz etwas günstigerer Eisbedingungen nur noch 25 kleine Pinguingruppen registriert. Vor 2022 waren es in derselben Region regelmäßig über hundert. Ob die Tiere neue Mauserplätze gefunden haben oder ob es zu erheblichen Bestandsverlusten kam, ist derzeit unklar.
Für Kaiserpinguine, die bis zu 20 Jahre alt werden und erst im Alter von drei bis sechs Jahren brüten, stellt insbesondere die Sterblichkeit erwachsener Tiere eine langfristige Bedrohung dar. Als Indikatorart spiegeln sie zudem den Zustand des gesamten antarktischen Ökosystems wider, vom Meereis über Krillbestände bis hin zu Robben und Walen.
Die zufällige Entdeckung der Mauserkolonien macht deutlich, wie eng das Überleben der Kaiserpinguine an die Stabilität des antarktischen Meereises gebunden ist und wie verletzlich dieses Gleichgewicht inzwischen geworden ist.
Rosamaria Kubny, Polarjournal

